Die Schaufensterfront seines Studios nutzt das Künstlerkollektiv Steinbrener/Dempf & Huber seit dem Jahr 2010 für sein Projekt „Wandzeitung“. Rund 30 Meter lang ist dieses öffentliche Display gesellschaftlicher Diskurse in der Glockengasse/Rotensterngasse in der Wiener Leopoldstadt und zählt inzwischen beinahe 60 Ausgaben.
Angesichts der globalen, politischen und sozialen Spannungen versteht sich die „Wandzeitung“ verstärkt als Plattform für den Dialog zwischen Künstler*innen, Wissenschaftler*innen, Aktivist*innen, NGOs und Institutionen. Im öffentlichen Raum sollen, alle zwei Monate wechselnd, Themen wie soziale Gerechtigkeit und Migration ebenso Platz finden wie Fragen der Meinungsfreiheit und Fake News für ein möglichst breites Publikum verhandelt werden.
Am 30. November 2025 (Eröffnung 18 Uhr) erscheint unter dem Titel „Hinsehen. Wie Abschottungspolitik die autoritäre Wende befördert“ die Wandzeitung #60. Die
In der Wandzeitung #61 (30.1. bis 26.3.2026) beleuchtet der Historiker Fritz Kallinger die Entstehung der Sozialreportage im frühen 20. Jahrhundert in Wien und ihre zentrale Rolle für die Entwicklung eines kritischen, unabhängigen Journalismus. „Hinsehen. Von Max Winters Sozialreportage zur künstlerischen Demontage fotografischer Objektivität“ wirft einen Blick ins frühe 20. Jahrhundert und verbindet diesen mit heutigen Fragen medialer Glaubwürdigkeit. Kallinger zeigt, wie journalistische Pioniere wie Max Winter durch systematische Dokumentation sozialer Missstände den Journalismus als gesellschaftliche Kontrollinstanz etablierten. Aufnahmen von Larry Sultan und Mike Mandel aus ihrem einflussreichen Fotobuch „Evidence“ (1977) werfen Fragen zum Wahrheitsgehalt visueller Informationen und dokumentarischer Beweise auf.
Das Kunstprojekt Evidence ist ein Meilenstein der konzeptuellen Kunst und der Appropriation Art. Evidence hinterfragt das Verständnis von Objektivität, indem es scheinbar neutrale Dokumentarfotografien aus institutionellen Archiven aus ihrem Kontext löst und so ihre Mehrdeutigkeit offenlegt. In der Gegenwart von digitaler Bildbearbeitung, KI und Desinformation erweist sich Evidence als hochaktuell: Es macht deutlich, dass Bilder keine eindeutigen Beweise mehr sind, sondern kritisch gelesen und hinterfragt werden müssen.
*** Die Wandzeitungen im Überblick ***
Wandzeitung #59 blickt auf neoliberale Wirtschaftspolitik und präsentiert bis Mitte November 2025 Auszüge aus dem Buch „Angst und Angstmacherei: Für eine Wirtschaftspolitik, die Hoffnung macht“ mit einer künstlerischen Intervention von Michael Heindl.
Markus Marterbauer, seit 2025 Finanzminister und Martin Schürz, der seit mehr als 20 Jahren zur Vermögensverteilung forscht, halten in dem 2022 bei Zsolnay erschienenen Buch ein Plädoyer für hohe Mindeststandards in einem besseren Sozialstaat, Löhne, von denen man gut leben kann und eine Begrenzung des Reichtums. Michael Heindls Arbeiten aus der Werkreihe „God Helps Winners Only“ lesen sich ergänzend dazu als visuelle Kommentare zur kapitalistischen und neoliberalen Wirtschaftslogik.
Wandzeitung #60 (17. 11. 2025 - 27.1. 2026): „Migrationspanik. Wie Abschottungspolitik die autoritäre Wende befördert“ - Judith Kohlenberger/Lisl Ponger
Die Kulturwissenschafterin und Migrationsforscherin Judith Kohlenberger analysiert den steigenden Wunsch nach einer „starken Hand“ in der Politik und hartem Durchgreifen in der Migrationspolitik. Lisl Ponger schenkt mit Arbeiten zu Stereotypen, Rassismen und der Konstruktion des Blicks eine zusätzliche Perspektive.
Wandzeitung #61 (30.1. bis 26.3.2026): „Hinsehen. Von Max Winters Sozialreportage zur künstlerischen Demontage fotografischer Objektivität“ - Fritz Kallinger / Larry Sultan und Mike Mandel
Historiker Fritz Kallinger beleuchtet die Entstehung der Sozialreportage im frühen 20. Jahrhundert in Wien und ihre zentrale Rolle für die Entwicklung eines kritischen, unabhängigen Journalismus. Aufnahmen von Larry Sultan und Mike Mandel aus ihrem einflussreichen Fotobuch „Evidence“ (1977) werfen Fragen zum Wahrheitsgehalt visueller Informationen und dokumentarischer Beweise auf.
Wandzeitung #62 (März/April 2026): „Die bessere Welt gibt’s nicht bei EDEKA“ - Goliath-Watch/ Klaus Staeck
Die Aktivist*innengruppe will im Zusammenspiel von gelebter Alternative, Bildung, Protest und Politik Veränderung gestalten. Nur gemeinsam gelänge es, zu einer Wirtschaft im Dienst aller Menschen und der Natur zu gelangen.
Wandzeitung #63 (Mai/Juni 2026): „Gegen Wegwerfarchitektur: Weniger, dichter, dauerhafter bauen“ - Vittorio Magnago Lampugnani/GuerillaArchitects
Architekt und Stadtwissenschafter Lampugnani baut seine Überlegungen zu einer nachhaltigen Baukultur auf der Skizze des städtebaulichen und architektonischen Konsumismus auf. Das Berliner Künstler*innenkollektiv Guerilla Architects fragt in Interventionen und sozialkritischen Projekten nach politischen, juristischen und räumlichen Grauzonen.
Wandzeitung #64 (Juli/August 2026): „Undisziplinierte Intelligenz“ - Technopolitics
ist eine transdisziplinäre Plattform bestehend aus Künstler*innen, Journalist*innen, Forscher*innen, Designer*innen und Entwickler*innen. Vor dem Hintergrund des zunehmenden Einsatzes von KI in unserer Gesellschaft diskutiert Technopolitics den problematischen, kulturell geprägten Begriff der „Intelligenz“.
Wandzeitung #65 (September/Oktober 2026): „Die kybernetische Kriegsmaschine – Drohnenkrieg, Satellitenabhängigkeit und die neue Verwundbarkeit der Weltordnung“ - Günes Holler/Catrin Bolt
Die in Wien und London tätige Soziologin lenkt den Blick auf die neue Realität der Kriegsführung mit KI-gesteuerten Drohnenangriffen und deren Abhängigkeit von kommerziellen Satellitendiensten. Mit künstlerischen Interventionen von Catrin Bolt.
Ort
An der Ecke Glockengasse 6/ Rotensterngasse, 1020 Wien
Galerie
Zeitraum
16. September 2025 – 15. Oktober 2026
Ausgaben der Wandzeitung
Wandzeitung #59 (16.9. bis 15.11.2025) „Angst und Angstmacherei: Für eine Wirtschaftspolitik, die Hoffnung macht“
Wandzeitung #60 (17.11.2025 bis 27.1.2026): „Migrationspanik. Wie Abschottungspolitik die autoritäre Wende befördert“
Wandzeitung #61 (30. 1. 2026 bis Mitte März 2026): „Evidence - Zwischen Aufklärung und Instrumentalisierung: Medien im Spiegel der Zeit“
Wandzeitung #62 (März/April 2026): „Die bessere Welt gibt’s nicht bei EDEKA“
Wandzeitung #63 (Mai/Juni 2026): „Gegen Wegwerfarchitektur: Weniger, dichter, dauerhafter bauen“
Wandzeitung #64 (Juli/August 2026): „Undisziplinierte Intelligenz“
Wandzeitung #65 (September/Oktober 2026): „Die kybernetische Kriegsmaschine – Drohnenkrieg, Satellitenabhängigkeit und die neue Verwundbarkeit der Weltordnung“
Vermittlung - Veranstaltungen
- Eröffnung Wandzeitung #59 16. September – 15. November 2025 / 00:00 - 00:00
- Eröffnung Wandzeitung #60 Montag, 17. November 2025 / 18:00
- Eröffnung Wandzeitung #61 Freitag, 30. Jänner 2026 / 18:00












