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Wettbewerb

Künstlerische Gestaltung der Unterführung Am TaborWettbewerbssiegerin: Motoko Dobashi

Künstlerische Gestaltung der Unterführung Am Tabor

Durch die neue Unterführung „Am Tabor“ (Eisenbahnbrücke Objekt 101 - Querung am Tabor) wachsen der neue und der alte Teil der Leopoldstadt zusammen. Sie verbindet nun Volkert- und Alliiertenviertel mit dem neuen Nordbahnviertel. Das Nordbahnviertel in der Leopoldstadt zählt zu den größten innerstädtischen Entwicklungszonen, in dem 20.000 Menschen wohnen können und zusätzlich auch 20.000 Menschen arbeiten werden.
KÖR - Kunst im öffentlichen Raum Wien und die ÖBB haben eine Kooperation mit dem Ziel vereinbart, die Vergabe und Imple­mentierung eines Kunstprojektes im Bereich der öffentlichen Verkehrsanlage des Nordbahnviertels ge­meinsam zu realisieren.
Die fünfköpfige Jury hat sich am 28. September 2020 für das Projekt der japanischen Künstlerin Motoko Dobashi entschieden.

Siegerentwurf: MOTOKO DOBASHI - Legplants in the floating world

„Motoko Dobashi eröffnet mit ihrem Entwurf Legplants In The Floating World in der Unterführung eine gleichsam andere Welt. Die dargestellten Beine mögen zu einem Tier oder einer Pflanze gehören und erstrecken sich auf einem, von japanischen Holzschnitten inspirierten Hintergrund über die äußeren Pfahlwände und lassen diese optisch in die Höhe wachsen. Die Bezüge zu traditioneller japanischer Kunst verweisen auch auf die Wiener Weltausstellung, die 1873 im Prater stattgefunden hatte und japanische Ästhetik einem lokalen Publikum näher brachte und so wesentlichen Einfluss auf die Kunst des Wiener Fin de Siècle haben sollte.
Die Gestaltung der Künstlerin spart die mittleren Pfahlwände aus, was zum einen der gleichsam filmischen Gesamtwirkung, zum anderen der optischen Erweiterung des Ortes zugute kommt und überdies zur Sicherheit der Verkehrsteilnehmer*innen beiträgt, da keine, jegliche Ablenkung provozierenden Darstellungen in Straßen- oder Gleisnähe angebracht sind.
Zum Grund hin ein Gewebe bildend, streben die Legplants nach oben dem blauen Himmel entgegen, in dem sich schwarzweiße, kristalline Strukturen erkennen lassen, die an Steinkorallen erinnern. Durch diese Anspielung an die Herstellung von Beton – das Ausgangsmaterial Kalkstein wird aus Steinkorallen gewonnen – wird eine inhaltliche Klammer zum Baustoff der Unterführung gesetzt.
Die Künstlerin setzt sich auf spielerische Art mit der vorgegebenen massiven Wandstruktur auseinander. Durch die genaue Abstimmung von Bildinhalten und dem Bestand werden die Verkehrsteilnehmer*innen, ob Fußgänger*innen, Radfahrer*innen usw. die Beine scheinbar in Bewegung erleben, sodass die Unterführung in ihrer Funktion als Transitort hervorgehoben wird.
Die Passant*innen werden so durch diesen besonderen und aufwendig gestalteten Ort geleitet, tauchen durch und kurz in eine andere Welt ein, ehe sie diese wichtige Verbindungsstrecke zum Nordbahnviertel wieder hinter sich lassen.“

-- Statement der Jury

Als Wettbewerbsbeitrag für die Unterführung „Am Tabor“ wird eine zweiteilige Wandmalerei vorgeschlagen, die auf beiden seitlichen geschlossenen Pfahlwänden einschließlich der jeweiligen Auflagerbank im Süden und Norden der Unterführung platziert wird und diese komplett gestaltet. Die Acrylmalerei auf Beton setzt sich aus zwei verschiedenen Komponenten zusammen: Einem vollflächigen, eher malerischen, farbigen Hintergrund – im Wesentlichen ein Farbverlauf in den Farbtönen „Preussisch Blau“ und „Zinnober Rot“ -und einem rhythmisierenden, eher grafischen, nahezu schwarz-weißen Vordergrund. Beide Komponenten zusammen erschaffen die Illusion einer lebendigen, natürlichen Struktur, die die Unterführung zugleich aufhellt und räumlich weitet.

Der farbige Hintergrund kreiert einen Lebensraum für zwei Wesen. Riesige, behaarte Pflanzenbeine schlängeln sich um die Halbsäulen der geschlossenen Pfahlwände und verbinden sich im intensivsten Orange-Raum zu einem organischen Gewebe. Oben auf der Auflagerbank schweben schwarz- weiße kristalline Strukturen, die an Steinkorallen erinnern, im dunkelsten Blauraum.

Ideengeber für die gewählte Farbigkeit und die eher grafische Anmutung der künstlerischen Arbeit sind japanische Ukiyoe Farbholzschnitte, die Ende des 19.Jh/ Anfang des 20.Jh den sogenannten Japonismus in Europa auslösten. Nach Jahrhunderten politischer Isolation Japans beeinflusste diese Alltagsgrafik aus Japan auch Künstler der Wiener Secession wie Emil Orlik in Bezug auf seine Kompositionen und Formensprache. Preußisch Blau und Zinnoberrot waren die Farben, die im Ukiyoe häufig als Himmelsfarben Verwendung fanden.

Die Motive – zum Einen die fiktive raumgreifende Riesenpflanze mit feiner Behaarung, zum Anderen die fliegenden Fossilfragmente der Steinkoralle – stehen beide symbolisch für unterschiedliche städtische Dynamik.

Motoko Dobashi *1976 in Tokushima (JP), lebt und arbeitet in München und Berlin (DE)
Homepage: motokodobashi.com

Weitere Wettbewerbsbeiträge:

SIGNE GUTTORMSEN - Es gibt immer einen Weg!

Das Werk beinhaltet 2 Motive: Geografie und Sprache. Die großen Flusssysteme in Zentraleuropa, Südosteuropa und Vorderasien, aus den jeweiligen Ländern, woher die meisten heute in Wien lebenden Menschen ursprünglich kommen, sind im Kunstwerk repräsentiert. Außer dem Donau Flusssystem ist es u.a. das Rhein-, Elbe-, Weichsel-, Mäander-, Euphrat-, Orontes und das Jordan Flusssystem. Große Nebenflüsse der Donau sind u.a. der Inn, die Theiß, die Morava, die Save, die Mur, die Isar, die wieder Nebenflüsse haben und gemeinsam ein riesiges Netzwerk an Wasserwegen bilden.

Die Flusssysteme werden als geschwungene Linien vor einer stilisierten geographischen Landschaft aus Schichtlinien dargestellt. Auf die freistehenden Säulen und den Auflage- bänken zur Straßenseite werden Flüsse in ihrer Originalform gemalt. Das so entstandene Bild ähnelt in seiner Form einer marmorierten Oberfläche eines Bauwerks.

Auf die geschlossenen Pfeilerwände, die den freistehenden Säulen gegenüber liegen, werden die Namen der Flüsse in mehreren Abschnitten gemalt. Z.B. wird die sprachliche Bezeichnung der Donau außer auf Deutsch auch in Slowakisch und Tschechisch (Dunaj), Ungarisch (Dana), Serbisch, Kroatisch, Bulgarisch (Дунав, Dunav), Rumänisch, Molda- wisch (Dunărea) und auf Ukrainisch (Дунай) wiedergegeben. Außerdem wird die Donau als Dunyera in Roma und als יינוד in Hebräisch vorkommen, da diese Sprachen in den Donau-Regionen auch gesprochen werden. Da die Länder durch die die Flüsse fließen, auch unterschiedlichen Schriftzeichen benutzen, werden für die Flussnamen kyrillische, hebräische und arabische Schriftzeichen sowie lateinische Buchstaben verwendet.

So können alle BetrachterInnen auch die Namen der Flüsse in den Sprachen lesen, die sie beherrschen und einen Identifikationspunkt finden. Die Flussnamen mit fremden Schriftzeichen wird man als reine Bilder wahrnehmen. So wird deutlich, dass nicht alle denselben Zugang zu Informationen haben und in demselben Bild dasselbe sehen.

Und je nachdem wo Menschen aufgewachsen sind oder sich aufgehalten haben in ihrem Leben, werden verschiedene Erinnerungen oder Assoziationen zu den jeweiligen Fluss- namen hervorgebracht.

Durch die Gegebenheiten der Konstruktion der Unterführung entsteht die Möglichkeit einer Formgebung in mehreren Schichten vergleichbar einer klassischen Malerei. Die BetrachterInnen blicken auf einen Vordergrund, einen Mittelgrund und einen Hintergrund, und je nach Perspektive (Bürgersteig, Fahrradweg, Fahrbahn und Straßenbahn) entsteht ein 3-dimensionales Bild in mehreren Variationen. Jedoch kann das Bild aus allen Blickrichtungen gleichermaßen als Ganzes erlebt werden.

Das Kunstwerk ES GIBT IMMER EINEN WEG thematisiert die Diversität in der kulturellen Zusammensetzung der Wiener Bevölkerung und die damit verbundenen Integrationsprozesse. Mit dem Werk möchte ich einen Ort in Wien schaffen, der ein Zeichen dafür sein soll, dass uns trotz aller kultureller Unterschiedlichkeit und Verschiedenheit sehr viel verbindet und dadurch ein Miteinandersein fokussiert wird.

LUISA KASALICKY - RGB-Express

Die Brücke am Tabor ist eine Spezialeinheit.
Auf deren Rücken werden täglich etliche Schnellbahnen durchgeführt – zumeist in einem 3 Minuten Takt. Die Schnellbahn zieht es in Richtung Retz und Znaim und Retour nach Mödling und Wiener Neustadt. Der Raum darunter erinnert unmerklich an eine Höhle.

So dachte ich jedesmal wenn ich an den unzähligen anfangs rohverputzten Säulen vorbei ging.
In der Höhle ist viel los – sie ist eine Drehscheibe täglicher Verschiebungen und unterschiedlicher Geschwindigkeiten. Radfahrer fährt hastig von links, Fußgängerin bewegt sich langsam rechts. Straßenbahn ebnet sich gerade den Weg über die neu verlegten noch blank polierten Schienen. 4 Autos befinden sich im Schatten der Brücke und schieben sich dicht gedrängt vorwärts, Die Schnellbahn rattert. Die Sonne geht auf - Die Sonne geht unter.

Die eine Seite und die andere Seite:
Der ehemalige geschichtsträchtige Nordbahnhof und später ein Jahrzehnte lang verwaistes und viel geliebtes Naturparadies wurde komplett erneuert. Tausende Wohnungen und die dazugehörige Infrastruktur stehen für Neubezug zur Verfügung. Wer in den alten Stadtteil hinüber will muss durch die Unterführung. Es geht ein bißchen bergab und dann wieder hinauf und schon gehts es weiter in die langgedehnte „alte“ Taborstraße hinein.

Die Farben und wir.
Aufgefallen sind sie immer schon: die Testanstriche an den verwitterten Fassaden. Von den Malern und Anstreichern routiniert angebracht um zu schauen ob die neue Farbe wirklich zur äußeren Hülle des Hauses und der Architektur passt. Manchmal bleiben sie einfach da – weil das Haus doch nicht neu angemalt wird.

Farben anmischen – ein Traum!

Es gibt sie: die dunklen, die pastosen die reflektierenden und die gedämpften.
Die Farbproben bieten eine erquickliche Beschäftigung für jeden der seiner Passion im Abmischen von Farbabstufungen nachgeht. So wie ich.

Die Profile
Sie wenden sich, sie drehen sich, sie vervielfachen sich. Sie sind sich einig oder auch nicht. Sie biegen um die Ecke der Säule. Zu zweit, zu dritt oder allein…

Ort

Lembergstraße 1, 1020 Wien, Österreich

Weiterführende Info

Geladenes diskursives Verfahren zur künstlerischen Gestaltung der Unterführung “Am Tabor” (Nordbahnviertel), 1020 Wien
Kooperation ÖBB und Kunst im öffentlichen Raum Wien

AUSLOBERINNEN
Kunst im öffentlichen Raum GmbH
ÖBB vertreten durch ÖBB-Immobilienmanagement GmbH, Hochbau- und Liegenschaftsentwicklung

VERFAHRENSORGANISATION
Kunst im öffentlichen Raum GmbH

VORPRÜFUNG
Werkraum Ingenieure ZT-GmbH, Monika Trimmel

WETTBEWERBSJURY
Brigitte Felderer, KÖR Jury
Martina Lugert, ÖBB-Infrastruktur AG
Ursula Lichtenegger, BV 2. Wiener Gemeindebezirk
Hannes Loichinger, Künstler
Marie-Therese Harnoncourt-Fuchs, Juryvorsitzende, Architektin

SACHBEIRAT
Gerhard Dully, MA 33 – Wien leuchtet
Andreas Gottlieb, MA 28 – Straßenbau und Straßenverwaltung
Herbert Kothmayer und Manfred Wegmayer, ÖBB Infrastruktur AG, SAE Ost 1
Monika Jost, MA 19 – Architektur und Stadtgestaltung
Franz Roth, MA 46 – Verkehrssicherheit
Martin Scheiflinger, ÖBB-Immobilienmanagement GmbH
Rudolf Skraback, Wiener Linien - Bahnbetrieb
Martina Taig, KÖR GmbH, Geschäftsführerin
Monika Trimmel, Werkraum Ingenieure ZT GmbH, Vorprüferin

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Künstlerische Gestaltung der Unterführung Am TaborWettbewerbssiegerin: Motoko Dobashi

Zeitraum

voraussichtlich Frühjahr 2021

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