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Solange... bin ich Feminist:in, TuchlaubenKatharina Cibulka

Solange... bin ich Feminist:in, Tuchlauben

AS LONG AS HE MAKES THE CASH WHILE I WORK FOR CHANGE, I WILL BE A FEMINIST

Eine feministische Kunst-Intervention im Herzen Wiens, an einem DER Tourist:innen-Pfade, gesäumt von zahlreichen Flagship Stores der internationalen Top-Marken, ein Ort des sichtbaren Wohlstandes: Was liegt näher, als die Verteilung von Arbeit und Geld zum Thema zu machen und aus feministischer Sicht zu hinterfragen?

Der neue SOLANGE-Satz thematisiert nicht nur den gender pay gap zwischen den Einkommen von Frauen und Männern, sondern auch den Kampf - vor allem der jüngeren Generation - für nachhaltige Veränderung. „ ... while I work for change ...“ meint das Wechselgeld bzw. Kleingeld ebenso wie den konkreten Einsatz für eine mögliche faire Zukunft. In diesem kurzen Nebensatz, der in seiner Mehrdeutigkeit schwer ins Deutsche übersetzbar ist, steckt die Arbeit für wenig Geld, aber auch die nicht bezahlte Hausarbeit, die care-Arbeit inner- und außerhalb der Familie, die in großer Mehrheit von Frauen geleistet wird. Die aktuelle Corona-Krise zeigt überdeutlich, dass Frauen als erste und größte Gruppe von Arbeitslosigkeit betroffen sind (Österreich: derzeit 85% Frauen).

Aus diesem Verständnis heraus haben wir zwei mögliche Übersetzungen des aktuellen SOLANGE-Satzes ins Deutsche gewählt:

Solange er auf Profit setzt und ich auf den Wandel, bin ich Feminist:in.

Solange er an der Börse abräumt, während ich meine kaum fülle, bin ich Feminist:in.

„Über das Geschlecht werden nach wie vor weitreichende Unterschiede markiert bzw. definiert. Seit Jahrzehnten sind gender pay gap, mangelnde Lohntransparenz, Auswirkungen von schlecht bezahlten Teilzeit-Jobs auf die Pension regelmäßig wiederkehrende Themen“, argumentiert die Künstlerin. „SOLANGE stickt dieses zentrale feministische Thema mitten ins goldene Wiener Herz: SOLANGE soll aufrütteln, zur Diskussion anregen, bewusst machen, dass Veränderung unser aller Aufgabe ist.“

Cibulka sieht ihre „Kunst im öffentlichen Raum“-Installationen immer in Verbindung zum Kontext des Gebäudes, zum geographischen Umfeld. Eine Bank an so prominenter Adresse steht symbolreich für Wohlstand und Macht. Gleichzeitig besteht die Aufgabe einer Bank darin, Geld umzuverteilen, also jenen zur Verfügung zu stellen, die es benötigen. Insofern ermöglicht eine Bank auch Veränderung. Der neue SOLANGE-Slogan passt somit perfekt zur Geschichte des Gebäudes, an dem das Netz montiert wird.

Ganz im Sinne der Künstlerin will SOLANGE möglichst viele engagierte Menschen ansprechen, die Veränderungen vorantreiben wollen: das Schließen der Gehaltslücke zwischen Frauen und Männern, die Verteilung der unbezahlten Arbeit auf alle Geschlechter gleichermaßen, das wirkmächtige Engagement zum Schutz unseres Planeten. Banken können durch vielfältigen Einsatz ihrer Instrumentarien eine Schlüsselrolle bei notwendigen Systemänderungen spielen. Veränderung ist nur möglich, wenn wir viele dafür gewinnen.

Im diskursiv-orientieren Kunstprojekt SOLANGE geht es der Künstlerin und ihrem Team darum, Brücken zwischen den unterschiedlichen Erfahrungswelten zu bauen, mehr Verständnis füreinander zu generieren und einen Dialog in Gang zu bringen: vor Ort, direkt im Umfeld der Baustelle oder auf Instagram, wo laufend neue SOLANGE-Sätze gepostet werden. Aus diesem Fundus generiert Cibulka wiederum neue Themen und Slogans für weitere Netze. Die Ziele für eine Zukunft auf Augenhöhe sind hoch gesteckt: SOLANGE soll von Österreich aus die Welt erobern – an Themen mangelt es bislang nicht.

Come join us in spreading equality!

Über das Projekt:

Mit Kabelbinder und Tüll bestickte Staubschutznetze werden österreichweit auf Baustellen montiert. Die großformatigen, im traditionellen Kreuzstich eingestickten Botschaften verdeutlichen die anhaltende Notwendigkeit feministischer Forderungen. Die Themenbereiche für die Slogans wurden aus zahlreichen Gesprächen mit Frauen und Männern rund um das Thema Feminismus entwickelt. Im Fokus steht das Hinterfragen aktueller gesellschaftlicher Machtstrukturen.Katharina Cibulka und ihrem Team geht es in SOLANGE darum, mit den pink gestickten, großflächig auf Staubschutznetzen angebrachten Sätzen eine klassisch männlich geprägte Branche buchstäblich zu durchdringen. Die Forderungen sind zwar nicht neu, sollen im öffentlichen Raum jedoch unübersehbar Nachdrücklichkeit vermitteln.

Ort

Außenfassade der Erste Group Bank AG, Tuchlauben 4, 1010 Wien

Weiterführende Info

Katharina Cibulka, *1975 in Innsbruck, Absolventin der Akademie für Bildende Künste Wien, lebt und arbeitet in Innsbruck.
Homepage: www.katharina-cibulka.com

Weitere Baustellennetze der Serie (von KÖR gefördert):

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Zeitraum

27. August bis Dezember 2020

U3 Herrengasse

Termine

Presse

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