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Lueger Temporär Six & Petritsch

Lueger Temporär

Allgemeine Informationen zur Kontextualisierung

Im Mai 2021 hat die Stadt nach anhaltender, öffentlich geführter Diskussion zum Lueger-Denkmal einen Round Table im Rathaus abgehalten, an dem mehr als 40 Expert*innen aus Kunst, Wissenschaft, Politik, Verwaltung und Vertreter*innen der Zivilgesellschaft teilgenommen haben. Der Austausch so unterschiedlicher Stimmen und die offene und respektvolle Diskussion haben gezeigt, dass das Lueger-Denkmal nicht länger unkommentiert bleiben kann, sondern dass Handlungsbedarf besteht, der über die seit Sommer 2016 existierende Zusatztafel hinausgeht.

Diese Diskussion lieferte auch die Grundlage für die Entscheidung der Stadt Wien, das Denkmal permanent künstlerisch zu kontextualisieren. Die Ausschreibung dafür erfolgt im Herbst und wird von KÖR Kunst im öffentlichen Raum Wien durchgeführt. Bis zu deren Realisierung wird eine temporäre Installation auf das Denkmal Karl Luegers reagieren.

„Die temporäre Installation mit dem Titel ‚Lueger temporär‘ von Nicole Six und Paul Petritsch ist ein wichtiger Schritt auf dem Weg zu einer dauerhaften Kontextualisierung des Lueger-Denkmals. Vor allem ist sie auch ein wichtiger Schritt dabei, den Platz als lebendigen Mahn- und Lernort gegen Antisemitismus und politischen Populismus zu gestalten“, betont Wiens Kulturstadträtin Veronica Kaup-Hasler. „Die künstlerische Installation ‚Lueger temporär‘ markiert in Signalfarben, aber in fragiler Form den Raum – vor Ort und in der Gesellschaft – für eine aktive, sich stetig wandelnde Auseinandersetzung mit unserer Geschichte. Kunst kann ein Gegengewicht herstellen, Bewusstseinsprozesse und öffentliche Diskurse anstoßen, die Vielfältigkeit von Geschichte und Geschichtsschreibung aufzeigen sowie Erinnerungskultur wachhalten.“

„Unsere Geschichte hat Licht- und Schattenseiten, mit denen wir uns ehrlich auseinandersetzen müssen. Eine Chance dazu im Sinne eines Denkanstoßes bietet die heute präsentierte temporäre Installation. Die Entsorgung des Lueger-Denkmals ist das falsche Signal, denn unsere Vergangenheit soll nicht ausgelöscht werden, sondern wir müssen uns ihr stellen. Es geht um eine Erinnerungskultur, deren Teil Straßennamen und Denkmäler sind. Daher bin ich gegen Cancel-Culture und für einen offenen und respektvollen Diskurs. Die Installation ‚Lueger temporär‘ setzt ein sichtbares Zeichen für diesen Willen zum öffentlichen Dialog“, so Markus Figl, Bezirksvorsteher Innere Stadt.

„Jede Stadt hat ein Gedächtnis. Öffentliche Kunst nimmt aktiv oder passiv Bezug auf dieses Gedächtnis, schreibt sich mit ihrem widerständigen Potential in dieses ein oder entwickelt ästhetische Angebote für dessen Gegenwart und Zukunft. Mit ihrer temporären Intervention beim Lueger-Denkmal verbinden Nicole Six und Paul Petritsch die spezifischen Fragen, die das Lueger-Denkmal aufwirft, mit den übergeordneten Fragen zur Erinnerungskultur: Sie stellen zur Diskussion, wie wir heute mit dem historisch belasteten Bestandteil unserer Geschichte umgehen sollen,“ so Cornelia Offergeld, kuratorische Leitung KÖR, und Martina Taig, Geschäftsführung KÖR .

„Die Einladung, ein temporäres Projekt zu entwerfen, ermöglicht, die Diskussion um das Lueger-Denkmal zu erweitern. Im Sinne eines Gegenpols lagern wir Lueger-assoziierte Orte von Wien als Objekte temporär oder lehnen sie an. Wir zeigen, dass Karl Lueger in die Stadt auf unterschiedlichen Ebenen eingeschrieben ist. Wir schaffen ein begeh- und benutzbares Display für die Öffentlichkeit und verbinden historische Erzählung mit der Gegenwart, stellen unbelebten Objekten ein offenes Format gegenüber,“ führen Nicole Six und Paul Petritsch aus.

Details zur temporären Installation

Nach ihren Recherchen waren Nicole Six und Paul Petritsch interessiert an der facettenreichen Präsenz Luegers in Wien. Six- Petritsch planten daraufhin, mit dem im Erinnerungsspeicher Stadt Abgelegten ein temporäres Archiv zu bauen. Dazu werden 15 im öffentlichen Raum Wien präsente Lueger-assozierten Artefakte in Form ihrer Umrisslinien bei dem Lueger- Denkmal versammelt. Diese Silhouetten lehnen im Maßstab 1:1 unmonumental an einem Gerüst und harren nüchtern ihrer Zuordnung. Der Öffentlichkeit wird eine Art Schaulager zur Verfügung gestellt, das den Prozess des Ordnens und Strukturierens als notwendige Basis von Meinungsbildung abbildet und den Beginn einer differenzierten öffentlichen Diskussion als eine Art „Ortsverhandlung“ darstellen soll.

Im Vorfeld erkundete das Duo alle Denk-Orte, Tafeln, Gebäude in Wien, die mit Lueger in Verbindung gebracht werden und nahmen ihre jeweilige Form ab. Zusammengefasst am Luegerplatz bilden sie ein Display für eine öffentliche Diskussion, die Fragen erlaubt wie: Wie wollen wir als Gesellschaft des 21. Jahrhunderts mit unserem „dark heritage“ umgehen? Was kann der öffentliche Raum leisten? Was soll für eine zukünftige Betrachtung bereitgestellt werden?

Die Künstler*innen Nicole Six und Paul Petritsch

Nicole Six und Paul Petritsch realisieren seit 1997 gemeinsam Filme, Fotografien, Displays, Künstler*innenbücher sowie orts- und kontextspezifische Installationen und Projekte im öffentlichen Raum. Sie erforschen die Grenzen unseres Daseins und unserer Wahrnehmung mit Expeditionen in den Alltag, durch Ozeane, Polarregionen, Betonwüsten wie auch Mondlandschaften. Ihre Eingriffe sind experimentelle Versuchsanordnungen, mit denen sie den Raum neu ordnen, indem sie ästhetische mit politischen Dimensionen verbinden. In diesem Zusammenhang waren Arbeiten wie „Die innere Grenze/Notranja meja“ (2008) und „Das Denkmal/Spomenik“ (2015) in Kärnten als Gegenmonumente sowie das partizipative Projekt „Die Stadt und das gute Leben“ (2020) in der Form von einer Vermessung des Raumes und der Landschaft angelegt.

Ort

Karl-Lueger-Platz, 1010 Wien

Weiterführende Info

Nicole Six * 1971 Vöcklabruck (AT), lebt in Wien
Paul Petritsch * 1968 Friesach (AT), lebt in Wien

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Lueger Temporär Six & Petritsch

Zeitraum

Herbst 2022 bis Sommer 2023

U3 Stubentor

Presse

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