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Wettbewerb

Denkmal für die Verfolgten der NS-MilitärjustizWettbewerbssieger: Olaf Nicolai

Denkmal für die Verfolgten der NS-Militärjustiz

Im Dezember 2010 hat die Rot-Grüne Wiener Stadtregierung beschlossen, den von der Öffentlichkeit bisher kaum beachteten Verfolgten der NS-Militärjustiz an einem würdigen Ort ein Denkmal zu setzen. Dieses Wettbewerbsverfahren hatte zum Ziel, aus den einlangenden Entwürfen ein Projekt zur Realisierung des Denkmals am Standort Wien 1, Ballhausplatz, vorzuschlagen.

„Die von der NS-Militärjustiz verfolgten Männer und Frauen, Soldaten und ZivilistInnen, Kriegsgefangene und Angehörige der Widerstandsbewegungen aus ganz Europa, sollen im Zentrum der Bundeshauptstadt einen Ort erhalten, der an ihre Geschichte erinnert und ihr Handeln in angemessener Form würdigt. Schon jetzt ist in der (Wiener) Öffentlichkeit vom „Deserteursdenkmal“ die Rede. Dies findet seine Berechtigung insbesondere darin, dass rund drei Viertel aller Todesurteile gegen Wehrmachtssoldaten gegen Deserteure vollstreckt wurden. Die Gruppe der durch das Denkmal Gewürdigten ist allerdings von den DenkmalsetzerInnen weiter gefasst worden – auch um die Dimension der Spruchpraxis einer Terrorjustiz weit über die wenigen, landläufig bekannten Opfer hinaus deutlich zu machen. Da die deutschen Militärgerichte in ganz Europa tätig waren, und auch die in Wien ansässigen Gerichte und Dienststellen Todesurteile gegen Soldaten und ZivilistInnen aus unterschiedlichen Ländern verhängte, ist das Denkmal nicht allein den Wiener Verurteilten gewidmet. [...]

Das Denkmal für die Verfolgten der NS-Militärjustiz würdigt an zentraler Stelle die Leiden ebenso wie die Leistungen derer, die auf je eigene Weise dazu beitrugen, NS-Herrschaft und Krieg ein Ende zu setzen. Damit bezieht es gleichzeitig eine klare Position zu einem lange Zeit bewusst ausgeblendeten Thema der österreichischen Zeitgeschichte. Die Auseinandersetzung um das Denkmal sollte trotz seines klar definierten historischen Referenzrahmens Fragen an Gegenwart und Zukunft anregen, insbesondere nach den Grenzen von Befehl und Gehorsam angesichts moderner Kriege in aller Welt. Dabei sind ahistorische Gleichsetzungen des Zweiten Weltkriegs mit anderen bewaffneten Konflikten von den Denkmalsetzern explizit nicht intendiert. Das Denkmal soll schließlich nachwachsende Generationen für historische Kontinuitäten und Brüche in der Geschichte sensibilisieren und einen Anknüpfungspunkt bieten, Zusammenhänge zwischen historischen Ereignissen und gegenwärtigen Entwicklungen besser zu verstehen.“

Textauszug: Dr. Magnus Koch

Ort

Ballhausplatz, 1010 Wien

Weiterführende Info

Wettbewerb
Denkmal für die Verfolgten der NS-Militärjustiz

AusloberIn
Kunst im öffentlichen Raum GmbH

Geladene KünstlerInnen
Kader Attia (FR), Luis Camnitzer (DE/UY/US), Claire Fontaine (FR), Vera Frenkel (SK/CA), Johanna und Helmut Kandl (AT), Ernst Logar (AT), Goshka Macuga (PL/GB), Olaf Nicolai (DE), Michael Sailstorfer (DE), Nicole Six & Paul Petritsch (AT), Heimo Zobernig (AT)

Jury
Juliane Alton, Geschäftsführerin IG Kultur Vorarlberg, Verein Personenkomitee „Gerechtigkeit für die Opfer der NS-Militärjustiz“
Berthold Ecker, MA 7 – Kultur, Leiter Referat für bildende Kunst
Bernhard Engleder, MA 28 – Straßenverwaltung und Straßenbau
Thomas Geldmacher, Historiker, Obmann des Vereins Personenkomitee „Gerechtigkeit für die Opfer der NS-Militärjustiz“
Lilli Hollein, Kuratorin und Journalistin (2010–2013 Mitglied der KÖR-Jury)
Anna Jermolaewa, Künstlerin / artist
Franz Kobermaier, MA 19 – Architektur und Stadtgestaltung
Martin Kohlbauer, Juryvorsitzender, Architekt
Dirk Luckow, Intendant Deichtorhallen Hamburg (2010–2013 Mitglied der KÖR-Jury)
Heidemarie Uhl, Historikerin

Sachbeirat
Wolfgang Ablinger, MA 28 – Straßenverwaltung und Straßenbau
Magnus Koch, Historiker
Martin Schwerer, MA 34 – Bau- und Gebäudemanagement
Richard Wadani, Zeitzeuge

Beisitzer
Maria Graff, Bezirksrätin für den 1. Bezirk, Kulturvorsitzende
Meinhard Rauchensteiner, Österreichische Präsidentschaftskanzlei
Thomas Just, Wolfgang Maderthaner (Vertretung / stand-in), Österreichisches Staatsarchiv
Thomas Lassenberger, Bundesministerium für Landesverteidigung und Sport, Sektion IV

Wettbewerbsorganisation
Susanne Kappeler-Niederwieser, Wolfgang Niederwieser, k+ kultursupport

Technische Vorprüfung
Monika Trimmel, Werkraum Ingenieure ZT GmbH

Partner und Förderer
Nationalsfonds der Republik Österreich für Opfer des Nationalsozialismus, tanzquartier wien

Wettbewerbssieger
Olaf Nicolai
*1962 Halle/Saale (DE), lebt und arbeitet in Berlin (DE).

ZUM SIEGERPROJEKT

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Denkmal für die Verfolgten der NS-MilitärjustizWettbewerbssieger: Olaf Nicolai

Zeitraum

März bis Juni 2013

U2, U3 Volkstheater; Straßenbahnen 1,2,D, Dr. Karl-Renner-Ring

Links

deserteursdenkmal.at