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Daihatsu-Rooftop-GalleryPeter Fritzenwallner

Daihatsu-Rooftop-Gallery

Die Daihatsu-Rooftop-Gallery ist ein mobiles Präsentationsdisplay für zeitgenössische Skulptur/Installation und Performance.

Auf einem modifizierten Dachträger eines japanischen Kleinwagens präsentiert die Galerie im öffentlichen Raum Wiens zwischen dem 13. August und dem 14. Dezember 2020 Skulpturen von neun Künstler*innen. Diese nehmen Bezug auf bestimmte Gegenden der Stadt, die von der Daihatsu-Rooftop-Gallery für eine Woche pro Skulptur täglich befahren werden.

„Unter dem Pflaster der Strand“ lautetet ein Slogan der spontaneitätsversessenen und institutionskritischen Situationisten der 60er Jahre. Heute könnte ein Slogan lauten: „Ich will Kunst nicht nur im Museum und auf Instagramm, ich will sie dort wo jeder Bürger hinsehn kann! - Daihatsu! Rauf auf die Dächer dieser Stadt!"

Zumindest auf dem Dach dieses Autos zeigen wir zwischen Mitte August und Dezember 2020 skulpturale Arbeiten, Performances und Soundinstallationen im urbanen Raum Wiens. Am Ende der jeweiligen einwöchigen Präsentationsfahrten wird die Daihatsu-Rooftop-Gallery mit der künstlerischen Arbeit auf dem Dach unterwegs sein, auf einer ausgedehnten Fahrt unterwegs durch die Wiener Gemeindebezirke.

Die Daihatsu-Rooftop-Gallery macht zeitgenössiche Kunst einem breiten Publikum jenseits der hermetischen Kunstdiskurse sichtbar und transferiert künstlerische Arbeiten weg von den Podesten in Ausstellungsräumen hinauf auf das Dach eines kleinen Autos, das diesen eine neue Mobilität und Zeitlichkeit verschafft, welche die Stadt als veränderlichen Kontext hinter den gezeigten Arbeiten vorbeiziehen lässt.

Hier geht es nicht um das Neue, sondern um das fröhliche Weiterschreiben einer Ideologie des freien und mobilen „Sich-zeigens“, da draussen in der Welt.

1. Intervention: Prêt-à-porter - Titania Seidl & Lukas Thaler

Die beiden Künstler*innen verschmelzen in ihrer skulpturalen Kooperation für die Daihatsu-Rooftop-Gallery die traditionelle Form des Tafelbildes mit der monolithischen Form und Oberflächenbeschaffenheit des Steines. Organisch eingefasst in einem großen scheinbaren Felsbrocken erscheinen Titania Seidls Malereien wie Votivbilder der Uneindeutigkeit, zeigen Körperpartien, die sich aus malerischen Gestikularien heraus verdichten.

Die Pestsäule am Graben bietet für die Skulptur von Titania Seidl & Lukas Thaler einen besonderen Präsentationskontext barocker Körperlichkeit zwischen Lüsternheit und Leiden. Ihre skulpturale Setzung betont die gegenwärtige Neuinterpretation und -nutzung der Pestsäule durch die Wiener Bürger*innen: In den vergangenen Monaten wurde die Säule vor dem Hintergrund der Corona-Pandemie wieder zu einem Ort des Bittens, Hoffens und einem Ort des Hinterlassens von Bitt-Objekten und Bitt-Bildern.

Die plötzliche Reaktualisierung historischer Denkmäler, Orte und Symbole aufgrund gravierender Einschneidungen in den öffentlichen Gesellschaftsdiskurs, zum Beispiel ausgelöst durch eine Pandemie oder aber auch durch die aktuellen Beschädigungen von personenbezogenen Denkmälern, unter anderem motiviert durch die „Black-Lives-Matter“-Bewegung, ist ein sehr dynamisches, spannendes aber natürlich auch kritisch zu hinterfragendes Phänomen.

2. Intervention: Popular von Ines Hochgerner

(„Ich wünschte Politiker*innen würden Fehler zugeben...“)

Die Künstlerin lässt ein längliches Schild mit dem verschwommenen Abbild einer liegenden ionischen Säule – als Symbol für demokratische Prozesse – auf der Daihatsu Rooftop Gallery durch Wien fahren. Die erste Station ist dabei zwischen dem temporären Parlament und dem Volksgarten.

3. Intervention: Das Geläut – die Marktschreier von Reinhold Zisser

(Jagt nicht die Händler aus dem Tempel. Der Tempel kommt zu den Händlern.)

Im Rahmen dieser Kooperationsaktion zwischen der Daihatsu-Rooftop-Gallery und Reinhold Zissers Projekt der „Notgalerie“ in der Seestadt Aspern wird der hölzerne Glockenturm vom Dach der ehemaligen „Notkirche“ und heutigen „Notgalerie“ auf das Dach der Daihatsu-Rooftop-Gallery transferiert und vor den Haupteingang der Vienna-Contemporary-Kunstmesse gefahren.

Dort repräsentiert das Auto mit Glockenturm auf dem Dach beide Galerienprojekte und verweist auf Zissers Projekt der Notgalerie in der Seestadt.

Darüberhinaus werden vor dem Eingang der Vienna Contemporary den Kunstinteressierten aus dem Auto heraus Teile der Notgalerie zur Mitnahme angeboten. Denn nun befindet sich Zissers Notgalerie in einem neuen Projektstadium: Sie wird bis Ende September sukzessive abgebaut und die Einzelteile an möglichst viele Personen und Institutionen gegen Ausstellung eines Zertifikates als Geschenk angeboten.

4. Intervention: Snickers Snitch II von Leon Höllhumer

Leon Höllhumer inzeniert in auf und um die Daihatsu-Rooftop-Gallery eine Performance mit mehreren Darstellern, unter der Verwendung einer Vielzahl von eigens angefertigten skulpturalen „Props“ und Objekten.

Bei der Performance handelt es sich auch gleichzeitig um einen Videodreh. Das bedeutet, dass das Publikum der Performance auch zu Protagonisten des Videos mutieren, dass Szenen nicht nur einmal für Publikum performt werden sondern mehrmals für die Kamera wiederholt werden.

Die ganze Aktion oszilliert also zwischen einer Performance für ein „Publikum“ und dem Setting eines Filmdrehs.

5. Intervention: „Team Austria oder I am from Österreich“ von Gabriele Edlbauer

[…] Wenn nun in Gabriele Edlbauers Skulpturen aus männlich markierten Körpern seltsam unbestimmte, tierische Köpfe wachsen und eine idyllische Bro-Szene hergestellt wird, versammelt das alle drei Dimensionen der Zóomorphisierung, oder mehr noch: Die Dimensionen werden in eine metonymische Spannung versetzt, in der man sich nicht mehr sicher ist, wer wen oder was vertritt. Sind die Figuren auf dem Weg der Verwandlung in Menschen, oder werden Menschen zu Tieren? […] Niedliche, interessante Clowns sind diese Typen; und weil sie alles gleichzeitig sind: Zutiefst unheimlich, zu vertraut im Zeitalter der Gruselclownpräsidenten. In ihrer Zahmheit wirken die Figuren umso bedrohlicher.“ Karin Harrasser, Politische Zoologie

Für ihr Projekt „Team Austria oder I am from Österreich“ (Arbeitstitel) auf der Daihatsu Rooftop Gallery erweitert Gabriele Edlbauer ihre lose Skulpturenserie aus männlich markieren Körpern mit tierischen „Ameisenbären“-Köpfen und Händen um eine weitere Figur. eine der Serie entsprechende Figur eines pinkelnden Schifahrers wird auf das Dach des Daihatsu geschraubt und die Galerie soll so ausgewählte Prachtstraßen Wiens befahren. Edlbauer will damit ihren Diskurs der Ambivalenz zwischen cutem Hobby und toxischer Masculinity um eine aktuelle politische Überzeichnung erweitern. Zur Eröffnung hält Laura Hatting einen kurzen Vortrag.

6. Intervention: She directs von Johanna Tinzl

Johanna Tinzl installiert auf dem Dach des Daihatsu zwei Lautsprecher. Die Lautsprecher verstärken Handlungsanweisungen, wie der öffentliche Raum im Viertel zu nutzen sei und werden von einer oder von mehreren Frauenstimmen gesprochen. Der Daihatsu mit den Durchsagen kurvt in einer bestimmten zeitlichen Choreografie durch das Viertel. Wenn der Daihatsu nicht kurvt, wird er an der Ecke Reumannplatz/Wielandgasse geparkt sein.

7. Intervention: Social Distancing? Sure! But I am just a sculpture! Es geht hier nicht um Neurosen, ihr Mimosen! von Julia Haugeneder

Julia Haugeneder entwirft mit ihrer Skulptur ein Bild organischer Verschlungenheit, die einen Eindruck von Nähe aber auch körperlicher Verkrampftheit hervorrufen könnte. Die Künstlerin versucht in ihrer Arbeit auf eine offen assoziative Art mit den aktuellen Problemen sozialer und körperlicher Begegnungen umzugehen. Begegnungen im öffentlichen Raum sind zur Zeit oft mit Ängsten und Nervosität verbunden und diese können sich bekanntlich, aus psychosomatischer Sicht, „auf den Magen“ und bildlich gesprochen -„auf den Darm schlagen“. Da scheint die Entscheidung, die DAIHATSU-ROOFTOP-GALLERY mit dieser besonderen Skulptur auf dem Dach vor dem Freud-Museum zu parken, als eine nur allzu logische Konsequenz. Dort wird also diese Vernissage stattfinden. In der darauf folgendenen Woche ist die Galerie in und um den 9. Bezirk unterwegs und parkt täglich für 2 Stunden spontan auf einem freien Parkplatz.

8. Intervention: come and see (Reif für die Insel) von Helmut Heiss

Majestätisch, glorreich und aufgeblasen gleitet das Seepferdchen durch die Straßen Wiens. Die Anführerin einer ganzen Armada von gekränktem Schwimmbadmüll auf der Suche nach Ärger. Sie ist aus Metall, aber von geringer Standsicherheit. Sie biegt und krümmt sich und schwankt immerzu.
Kommen Sie! Kommen Sie! Und los! Jajajaaaaa! Schnall Dich an, Baby, sonst schnallst Du ab - the night is young and there's plenty of gas in the tank.

9. Intervention: Optimizier von Valentin Aigner

Was, wenn Franz Sacher an Stelle der berühmten Torte den ‚original Wiener Ameisenhaufen’ erfunden hätte? Wenn Fürst Metternich just an einem Stück dieser Mehlspeise im Jahre 1832 erstickt wäre? Wenn dieses Meisterwerk der Patisserie seither als teiggewordene Manifestation politischen Widerstandes gelte? Wenn alljährlich am 12. Dezember dieses Ereignisses gedacht würde und Paraden ähnlich eines Erntedankumzuges stattfinden würden? Wenn daher autoritäre machtversessene Politik in Österreich traditionell keinen Platz mehr hätte? Wenn diese Umzüge von einem sogenannten Schirch-Percht angeführt würden, der nicht ungehorsame Kinder tadelt sondern für die Schuld der Eltern büßen müsste? Wenn ultraviolettes Licht vor Anthropozentrismus schützen würde, erinnert es den so bestrahlten Körper doch ständig an ein wachsendes Ozonloch und die damit einhergehenden Kausalzusammenhänge; Wenn ein Fetischobjekt am Dach eines Autos dem Fahrzeug Kräfte verleihen würde, die über eine bloß leicht verbesserte Straßenlage hinausreichen würden? Und letztlich die Frage, ob surrealistische Strategien in Zeiten von Infowars noch etwas taugen können?

Weiterführende Info

Konzept:
Peter Fritzenwallner, *1983 in Neukirchen am Großvenediger, lebt und arbeitet in Wien.

Teilnehmende Künstler*innen:

Valentin Aigner, Gabriele Edlbauer, Julia Haugeneder, Helmut Heiss, Ines Hochgerner, Leon Höllhumer, Titania Seidl, Lukas Thaler, Johanna Tinzl, Reinhold Zisser

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Daihatsu-Rooftop-GalleryPeter Fritzenwallner

Zeitraum

13. August – 22. Dezember 2020

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