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Die Getreidespeicher des Alberner Hafens sind weithin sichtbare Landmarken am Südufer der Donau im Osten Wiens, die zwischen 1939 und 1942 von NS-Zwangsarbeiterinnen und -zwangsarbeitern errichtet wurden. Als logistische Schnittstelle einer zukünftigen geopolitischen Ordnung sollte über die Hafenanlage Getreide aus den annektierten Gebieten Ost- und Südosteuropas in die Kerngebiete des Deutschen Reiches transportiert werden.

Vergleichbar mit dem 1991 von Lawrence Weiner umgestalteten Flakturm im Wiener Esterházypark sollte auch dieser manifesten „Brutalität in Stein“1 ihre künstlerische Reflexion beigestellt, an die überfällige historische und gesellschaftliche Aufarbeitung seiner Baugeschichte und die unbekannten Schicksale seiner unfreiwilligen ErbauerInnen gemahnt werden.

Das Schweigen der Architektur, der Subjekte und Diskurse stellte der Künstler in seiner charakteristischen Bildsprache durch eine in flächigem Weiß angelegte und von kräftigen schwarzen Linien umrissene menschliche Figur dar. Die Oberbekleidung und Physis des Torsos nur von einer zartgrau lasierten Schraffur aus gleichschenkeligen Kreuzen strukturiert, stand der überdimensionale Kopf der Figur im Zentrum der Bildkomposition: Die blinden Augen vom Stahlbügel eines Vorhängeschlosses durchbohrt blieb der Mund, vom schweren, goldgelben Körper der Schließvorrichtung bedeckt, stumm. In der zum Gesicht gewendeten linken Hand hielt die Figur einen Schlüssel. Ob sie damit im Begriff war, sich des Vorhängeschlosses zu entledigen oder das Schloss soeben eigenhändig angebracht und versperrt hatte, blieb unentschieden.

Diese Metaphern vom Verschließen und Aufsperren der Orte des Sprechens und Sehens mochten hier auf die spezifische kontextuelle Absenz, allgemeiner auf die Bedingungen der Möglichkeit subjektiver und gesellschaftlicher Wahrnehmung und Aufarbeitung historisch belasteter Orte und Räume verweisen.

1. Brutalität in Stein, Kurzfilm, BRD 1960. Produktion, Regie, Buch: Alexander Kluge, Peter Schamoni.

Text: Roman Tschiedl

Ort

Kornspeicher Alberner Hafen, 1110 Wien

Weiterführende Info

Künstler
BLU
* Senegallia (IT), lebt in Bologna (IT).
blublu.org

Ein Projekt im Rahmen von „Black River Festival 2010“.

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Zeitraum

11. September 2010 bis Oktober 2013

Entfernung/Übermalung: Oktober 2013

Termine