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URBAN SIGNS – LOCAL STRATEGIES – CONTINUEDMarita Fraser / Alex Lawler, Sonja Gangl, Nikolaus Gansterer, Christian Mayer, Viktoria Tremmel / Andreas Strauss, Johannes Vogl

URBAN SIGNS – LOCAL STRATEGIES – CONTINUED

Als Ort, der durch den Neubau des Bahnhofs Nord in den fünf Jahren zuvor markante Transformationsprozesse durchlaufen hatte und dessen Umbau gerade in die Endphase ging, bildete der Wiener Praterstern eine Zeitschnittstelle, an der die Wahrnehmung urbaner Strukturen sich neu formierte.
Das urbane Display, das die moderne westliche Stadt heute bietet, funktioniert tendenziell als kontrolliertes Playscape, als Bühne für Inszenierungen einer globalisierten Ikonografie sowie eines schnell konsumierbaren „instant urbanism“. Öffentlicher Raum ist heute zwar frei zugänglich, allerdings nicht ohne Einschränkungen frei benutzbar. Die Verbindungen, Verschiebungen, Interferenzen und Bezüge zur urbanen Praxis im Stadtraum rund um den Wiener Praterstern waren der Ausgangspunkt der künstlerischen Projekte von URBAN SIGNS – LOCAL STRATEGIES – CONTINUED.

Marita Fraser / Alex Lawler: Heavy Work (stack)
Marita Frasers und Alex Lawlers Intervention Heavy Work (stack) basierte auf Materialien wie Absperrungen aus Beton, mit denen urbane Domänen besetzt werden. Als vorgefundene Materialien im Stadtraum sind sie uns als multifunktionales Stadtmobiliar bekannt und werden vorwiegend an Straßenbaustellen wahrgenommen. Fraser und Lawler regte diese Präsenz des Materials dazu an, mit dem städtischen Mobiliar eine funktionale Verschiebung vorzunehmen. Das Verhältnis zwischen formaler Einfachheit und tonnenschwerer Präsenz wurde durch künstlerische Eingriffe thematisiert und durch minimalistische malerische Codierungen einer Neuanordnung unterzogen.

Johannes Vogl: O. T. (Lichtung)
Die Skulptur O. T. (Lichtung) präsentierte sich als achteckiges Tarnnetz, das wie ein Baldachin auf einer Wiese durch eine Konstruktion von Stahlstangen in ca. 8 Metern Höhe aufgespannt wurde. Das Tarnnetz bestand aus einer ca. 8 × 8 m großen schwarzen LKW-Plane, in die das Bild einer Lichtung gestanzt und geschnitten worden war. Betrat man den Bereich unterhalb des Baldachins, sah man eine Lichtzeichnung am Himmel. Man hatte das Gefühl, eine Lichtung in einem dicht bewachsenen Wald zu betreten; seitlich war jedoch die Konstruktion dieser Illusion mit ihren Abspannungen zu sehen. Die achteckige Form der Skulptur bezog sich sowohl auf den Grundriss von Nomadenjurten als auch auf Kassettenmalereien von barocken Kirchenkuppeln. In dieser Konterkarierung ließ Johannes Vogl eine Oase im urbanen Getümmel entstehen, die durch ihre Bezüge auf Tarnung und Camouflage auf die Risiken zunehmender Anonymisierung anspielte.

Nikolaus Gansterer: The Urban Alphabet
Nikolaus Gansterer ging es darum, den Verkehrsknotenpunkt Praterstern mit einer eigenen Kartografie in Form eines Urban Alphabet zu konfrontieren und dadurch das Phänomen einer stark vernetzten und urbanisierten Welt zu visualisieren. Aus Kartenmaterial urbaner Agglomerationen erstellte Gansterer eine Selektion von Stadt-Zeichen („urban characters“) in alphabetischer Reihenfolge. Jedes abgebildete Zeichen war ein Buchstabe eines fiktiven Alphabets und Ausdruck einer globalen Sprache. Durch die Präsentation in Form einer Wandtafel mitten im Stadtraum wurde die Form des Erlernens und der Weitergabe von Wissen für Passantinnen und Passanten im öffentlichen Raum zugänglich. Als Präsentationsort fiel die Wahl auf einen Vorplatz des Bahnhofs Wien Nord. Die an eine Schultafel erinnernde neue Wandverschalung des Gleiskörpers mit seiner schwarzen Oberfläche eignete sich durch Größe, Beschaffenheit und Sichtbarkeit perfekt für die Intervention.

Sonja Gangl: 1 : 2,35
Sonja Gangls künstlerische Technik beruht auf einer umfassenden Medienanalyse einzelner Begehren erweckender Bildinhalte. Durch das Minimieren von bildlicher Information bzw. die Zensur von Bildteilen entsteht ein Mehr an subjektiver Realität. Schuss und Gegenschuss, das Selbst und das Andere werden als Psychosoziale Komponenten einer wirklichkeitsstiftenden Bildhaftigkeit greifbar. Gangls 2,81 × 6,60 m große Letterboxing- Arbeit basierte auf ihrer intensiven Beschäftigung mit Filmtheorie und der Funktion von Cinemascope-Balken, die das Filmverhältnis definieren und verschiedene Dimensionen gestalten.

Viktoria Tremmel / Andreas Strauss: TS 001 LUX
Das Objekt TS 001 LUX – Tor, Durchgang, aber auch Automat – wurde inmitten einer Baustelle am Bahnhof Praterstern platziert, wo es den Passantinnen und Passanten als eine Art „Lichtdusche“ dienen sollte. Lichtquellen im Inneren des Objekts strahlten durch einen möglichst dichten „Schnürlvorhang“ nach außen und verliehen so dem Objekt eine geheimnisvolle Aura, die zum Erkunden und Durchschreiten anregen sollte. Im Inneren waren spezielle Tageslichtlampen installiert worden, die auch therapeutisch gegen Depressionen eingesetzt werden. Der öffentliche Raum wurde so zu einem Möglichkeitsraum umfunktioniert, der das alltägliche Treiben am Bahnhof für kurze Zeit ausblendete.*

Christian Mayer: Versetzung der Welt
Seit den 1960er-Jahren steht das größte in Wien zu findende drehbare Modell des Planeten Erde direkt neben dem Planetarium im Wiener Prater. Christian Mayers Projekt sah vor, die als Relikt einer anderen Zeit immer mehr ins Abseits geratene Weltkugel für zwei Monate auf den neu gestalteten Bahnhofsplatz am Praterstern zu versetzen, wo sie Tausende Passantinnen und Passanten wahrnehmen und bewegen können würden. Auch wenn die Versetzung der Weltkugel aus organisatorischen und restauratorischen Gründen nicht zustande kam, gaben die Berichte darüber Anlass zu verschiedensten Spekulationen. Am Abend der Projektpräsentation regte Christian Mayer durch einen Vortrag, dem Ausführungen eines Experten aus dem Wiener Globenmuseum folgten, das Imaginationsvermögen des Publikums an. Die Gitarrenband Kimberly & Clark entfachte mit ihren Liedern eine Sehnsucht nach fernen Ländern.

Texte: Ursula Maria Probst
außer *: Christa Benzer

Ort

Fluc, Praterstern, Vorplatz West und Ost, Venediger Au, 1020 Wien

Weiterführende Info

KünstlerInnen
Marita Fraser

*1969 in Brisbane (AUS), lebt und arbeitet in London (GB).
maritafraser.com

Alex Lawler
*1981 in Milan (IT), lebt und arbeitet in London (GB)
alexlawler.com

Johannes Vogl
*1981 in Kaufbeuren (DE), lebt und arbeitet in Berlin (DE).
johannesvogl.com

Nikolaus Gansterer
*1974 in Klosterneuburg (AT), lebt und arbeitet in Wien und Berlin (DE).
gansterer.org

Sonja Gangl
*1965 in Graz (AT) , lebt und arbeitet in Wien.
sonjagangl.com

Viktoria Tremmel
*1972 in Lauterach (AT), lebt und arbeitet in Wien.
viktoriatremmel.com

Andreas Strauss
*1968 in Wels (AT), lebt und arbeitet in Ottensheim (AT) und Wien.

Christian Mayer
*1976 in Sigmaringen (DE), lebt und arbeitet in Wien.

Kuratoren
Ursula Maria Probst, Walter Seidl, Martin Wagner

Partner und Förderer
[dy‘na:mo], Fluc, Bundesministerium für Unterricht, Kunst und Kultur, Kulturkommission des 2. Bezirks, ÖBB, MA 18, MA 19, MA 28, MA 29, MA 42, MA 46

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URBAN SIGNS – LOCAL STRATEGIES – CONTINUEDMarita Fraser / Alex Lawler, Sonja Gangl, Nikolaus Gansterer, Christian Mayer, Viktoria Tremmel / Andreas Strauss, Johannes Vogl

Zeitraum

1. Oktober – 1. Dezember 2009

Vermittlung - Veranstaltungen