Mit Unser Mann präsentierte Gottfried Bechtold ein Kunstwerk für das postideologische Zeitalter, eine Reflexion über inhaltliche Standpunkte von Politikern, deren Positionierung im Wahlkampf sowie Werbe- und Machtstrategien.
Die Arbeit stellte den Künstler als Mann in den besten Jahren in Anzug und Krawatte vor, Vertrauen erweckend in die Zukunft blickend und mit einem freundlichen Lächeln auf den Lippen. Als Staatsmann, dem man zutraut, die Probleme der Zeit zu lösen. Doch in das gleich bleibende Foto wurde zweimal wöchentlich ein anderes Logo einer wahlwerbenden Partei einkopiert. So entstand der Symbolraum eines entkernten Gesamtpolitikers, eine Chiffre, die an allen Haltepunkten des politischen Spektrums dieselbe Wirkung entfaltet. Es geht nicht um Inhalte, sondern um Affektmassage, nicht um Handeln, sondern um Repräsentation, nicht um den Dienst am Gemeinwesen, sondern um die hohle Konsumation einer Leere, die sich als Macht maskiert. Der Künstler wurde in diesem Projekt zum exemplarisch Genießenden, zum virtuellen Kritiker einer emblematischen Ordnung, die einem „Wissen, das sich selbst nicht weiß“ (Jacques Lacan), verpflichtet ist.
Ort
KÖR am Kunsthalle Wien public space karlsplatz, Treitlstraße 2, 1040 Wien
Galerie
Weiterführende Info
Künstler
Gottfried Bechtold
*1947 in Bregenz (AT), lebt und arbeitet in Hörbranz/Vorarlberg (AT).
gottfriedbechtold.at
Zeitraum
25. August – 12. Oktober 2008







