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Wettbewerb

Turnertempel – Landschaftsgestalterische und architektonische Entwürfen in Kooperation mit einer künstlerischen Auseinandersetzung für eine historisch besetzte LiegenschaftWettbewerbssieger: Iris Andraschek & Hubert Lobnig / Maria Auböck + János Kárász

Turnertempel – Landschaftsgestalterische und architektonische Entwürfen in Kooperation mit einer künstlerischen Auseinandersetzung für eine historisch besetzte Liegenschaft

Auf dem Gelände der im Rahmen des Wettbewerbs zu gestaltenden Anlage befand sich bis in die „Reichskristallnacht“ 1938 der sogenannte „Turnertempel. Dieser Tempel war ein wichtiges Identifikationsobjekt und Symbol der Eigenständigkeit für die von der Israelitischen Kultusgemeinde Wien unabhängige Kultusgemeinde Sechshaus. Diese konnte aus eigenen Kräften und unter größten Anstrengungen, wenige Jahre nach der bürgerlichen Gleichstellung der österreichischen Juden, den Bau dieses Tempels realisieren. Carl König, ein Schüler Heinrich Ferstels, hat das Gebäude 1870 entworfen, das in den Jahren 1871 / 1872 errichtet wurde.

Durch von Nationalsozialisten geworfene Handgranaten wurde der Turnertempel in der Nacht von 9. auf 10. November in Brand gesteckt und zerstört. Das Grundstück wurde arisiert und ging an einen Transportunternehmer, der auf den Resten der inzwischen abgetragenen Tempelruine eine Garage baute. Die Garage wurde in den 1950er Jahren erweitert und an Stelle des ehemaligen Betsaales wurde eine Tankstelle errichtet. Das einstige Gemeindehaus, das sich neben dem Tempel befand, wurde erst 1973 abgerissen, als die Gemeinde Wien das Grundstück erwarb und dort einen Gemeindebau errichtete. Mit der Neugestaltung des Areals werden zwei zentrale Ziele angestrebt.

Zum einen war intendiert, die aus dem Bewusstsein getilgte Vergangenheit des Platzes wieder zurück in das öffentliche Gedächtnis zu holen, und den Turnertempel als bedeutenden Bau in der Historie des Bezirks sowie sein trauriges Schicksal erleb- und erfahrbar zu machen. Zum anderen sollte aus dem aktuellen „Unort“ ein für die
Bewohner des Bezirks zugänglicher und benutzbarer Freiraum, ein Ort der Begegnung und des Gedenkens, geschaffen werden.

Die thematischen Aspekte der gestalterischen zu bewältigendenAuseinandersetzung mit der Vergangenheit sind die Zerstörung und Arisierung des Tempels durch die Nationalsozialisten, die spätere Nutzung der Fundamente für den Garagenbau und den Abriss des Gemeindehauses sowie die einhergehende Verdrängung und Löschung der jüdischen Vergangenheit des Bezirks. Angestrebt ist eine Verbindung von Geschichte und Gegenwart, der den Ort wieder in seinem historischen Kontext verankert, ihn gleichzeitig dem sozialen Leben des Bezirks zuführt. Die künstlerische und gestalterische Lösung geht damit über eine pauschale Aufgabe „Mahnmal“ deutlich hinaus und soll auf das „spezifische Gedächtnis“ und die lokalen Gegebenheiten des Ortes sensibel Bezug nehmen.

Die Bewältigung der Aufgabe erfolgte durch die aus KünstlerInnen und LandschaftsplanerInnen gebildeten Teams, wobei der Grad der Verschmelzung der verschiedenen Anteile den TeilnehmerInnen überlassen war. Die Konzeption des Platzes sollte einen über das gewohnte Maß hinausreichenden Anspruch besitzen, um mit Hilfe der Raumlösung sowie gestalterischen Interventionen der komplexen Aufgabe gerecht werden zu können.

Als Siegerprojekt des Wettbewerbs ging Turnertempel Erinnerungsort von Iris Andraschek & Hubert Lobnig / Maria Auböck + János Kárász hervor.

Ort

Turnergasse / Dingelstedtgasse, 1150 Wien

Weiterführende Info

Wettbewerb
Turnertempel – Wettbewerb zur Erstellung und Erlangung von landschaftsgestalterischen und architektonischen Entwürfen in Kooperation mit einer künstlerischen Auseinandersetzung für eine historisch besetzte Liegenschaft, 15., Turnergasse/ Ecke Dingelstedtgasse

AusloberInnen
Kunst im öffentlichen Raum GmbH in Kooperation mit der MA 42 – Wiener Stadtgärten
Die Initiative zum Turnertempel Erinnerungsort ging vom Projekt „Herklotzgasse 21“ aus.
herklotzgasse21.at

Geladene KünstlerInnen und ArchitektInnen
Iris Andraschek (AT) & Hubert Lobnig (AT) / Maria Auböck (AT) + János Kárász
Sabina Hörtner (AT)/Büro für Landschaftsarchitektur – Anna Detzlhofer (AT), Sabine Dessovic (AT)
Tobias Pils (AT) / rajek barosch (AT) Landschaftsarchitektur
PRINZGAU/podgorschek (AT) / Barbara Brandstätter (AT), Büro für Landschaftsarchitektur
Werner Reiterer (AT) / koselička – Lilli Lička (AT), Ursula Kose (AT), Landschaftsarchitektur

Jury
Birgit Brodner, 2006–2013 Referentin im Büro der Geschäftsgruppe Kultur und Wissenschaft
Raimund Fastenbauer, Generalsekretär des Bundesverbands der israelitischen Kultusgemeinde in Österreich und für jüdische Angelegenheiten der israelitischen Kultusgemeinde Wien
Dorothee Golz, Künstlerin
Karl Hawliczek, MA 42 – Wiener Stadtgärten
Moshe Jahoda, Zeitzeuge und Repräsentant der Claims Conference in Deutschland, Kuratoriumsmitglied österreichischer Zukunftsfonds und Ehrenkurator des Nationalfonds
Adolf Krischanitz, Juryvorsitzender, Architekt (2007–2010 Mitglied der KÖR-Jury)
Hannah M. Lessing, Generalsekretärin des Nationalfonds der Republik Österreich für Opfer des Nationalsozialismus
Thomas Miesgang, Kurator
Judith Pühringer, Verein coobra – cooperativa braccianti
Georg Traska, Kunsthistoriker
Gerhard Zatlokal, Bezirksvorsteher des 15. Wiener Gemeindebezirks

Sachbeirat
Bettina Leidl, 2007–2011 Geschaftsfuhrerin r Kunst im offentlichen Raum GmbH
Stefan Musil, Kurator des Wettbewerbs
Erich Petuelli, ehemals MA 19 – Architektur und Stadtgestaltung
Martin Scherer, MA 34 – Bau- und Gebaudemanagement
Johannes Strasser, MA 42 – Wiener Stadtgarten

Wettbewerbsabwicklung
Wolfgang Niederwieser, Klaus Kern – Verein Architekturraum 5

Technische Vorprüfung
Monika Trimmel, werkraum wien ingenieure zt gmbh

Partner und Förderer
Nationalfonds der Republik Österreich für Opfer des Nationalsozialismus, MA 42 – Wiener Stadtgärten, 15. Bezirk, Europäischer Fonds für regionale Entwicklung

Competition winners
Iris Andraschek & Hubert Lobnig Maria Auböck + János Kárász

Iris Andraschek
*1963 in Horn (AT), lives and works in Vienna
irisandraschek.com
dermusereichts.at

Hubert Lobnig
*1962 in Völkermarkt (AT), lives and works in Vienna
hubertlobnig.com

Maria Auböck
*1951 in Wien, lives and works in Vienna und München (DE)

János Kárász
lebt und arbeitet in Wien

auboeck-karasz.at

ZUM SIEGERPROJEKT

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Turnertempel – Landschaftsgestalterische und architektonische Entwürfen in Kooperation mit einer künstlerischen Auseinandersetzung für eine historisch besetzte LiegenschaftWettbewerbssieger: Iris Andraschek & Hubert Lobnig / Maria Auböck + János Kárász

Zeitraum

Dezember 2009 bis Mai 2010

U6 Gumpendorfer Straße