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The Missing Image (Video-Dokumentation)Ruth Beckermann

The Missing Image (Video-Dokumentation)

Alfred Hrdlickas Mahnmal gegen Krieg und Faschismus wurde 2015 mit der Installation The Missing Image durch zwei Betrachter ergänzt: den historischen Gaffer, der die „Reibpartie“ verfolgt, und den impliziten Betrachter, sprich den Bürger Wiens oder den Touristen, der sich in den Gaffern widerspiegelt. Somit ist das Betrachten des Mahnmals heute weitaus reflexiver als vor der Intervention. Man wird selbst zum Glied in einer Kette von Betrachtern.

Im Herzen von Wien ist ein Ort für Begegnungen und Kontroversen entstanden. Die Zeugenschaft der Bilder stellte die Skulpturengruppe, die vorher als ein Meisterwerk Hrdlickas rezipiert worden war, wieder auf ihren politischen Boden. Erneut unterstrich die Installation die Dringlichkeit, Themen wie Ausgrenzung zu diskutieren, bevor sie in Krieg und Faschismus enden.

Die Diskussionen finden auf dem Albertinaplatz statt. Es sind kaum mehr offen antisemitische Wortmeldungen, wie man sie noch in den 1980er-Jahren auf Wiens Straßen zu hören bekam, als es noch um sogenannte Nestbeschmutzung ging. Heute sind die Äußerungen in ihrer gutheißenden Art eher banalisierender Natur. Ein Eis essendes Liebespaar meinte zum Beispiel: „Gut, dass es jemand macht.“ Gemeint war die Künstlerin, bei der man die Auseinandersetzung mit dem Thema dann auch gern belässt. Viele Szenen dieser Art entwickeln eine unfreiwillige Komik.

Die heutige Qualität der öffentlichen Diskussion ist voller Indizien dafür, dass man aufgrund der Schwere der Vorwürfe die belastete Vergangenheit auf sich beruhen lässt, ihre Verfehlungen eingesteht und nicht mehr mit dem Hier und Jetzt in Verbindung bringt. So kommt es vor, dass Fremdenführer rhetorisch fragen, wie man denn wohl selbst damals gehandelt hätte, um sich im selben Atemzug umzudrehen und Zeitung verkaufenden Migranten, die sich ihrer Gruppe nähern, mit der Faust zu drohen und sie zum Teufel zu jagen.

Eine weitere Reaktion auf die Intervention The Missing Image ist natürlich die ernsthafte Auseinandersetzung mit Erinnerung und Erinnerungskultur. Die Zahl der Blumen und Kränze, die dem straßenwaschenden Juden zum Andenken niedergelegt werden, ist deutlich gestiegen. Nebst Bürgern und Touristen sorgen Studenten und Wissenschaftler für die Wiederbelebung des Diskurses auf dem Albertinaplatz.

Diese sehr direkte Art, das Leid durch Filmbilder im öffentlichen Raum zu verankern und Menschen, die nicht darauf vorbereitet sind, damit zu konfrontieren, hat einen performativen Raum, eine Art Bühne voller Geschichten entstehen lassen. Es ist spannend, sich unter die Leute zu mischen und den Geschichten zuzuhören. Sie zu dokumentieren erschien unerlässlich.

Der Film konzentriert sich auf Reise- und Stadtführer sowie Lehrer mit ihren Gruppen. Der Fokus liegt auf dem öffentlichen Diskurs, der sich vor allem in der Vermittlung des Themas an Schüler und Fremde darstellt. Wie integrieren Lehrer, Reise- und Stadtführer die Skulpturengruppe in das Bewerben und Präsentieren der Marke Stadt Wien? Wie vermitteln sie jungen Menschen Geschichte, und wie reagieren diese darauf?

Text: Ruth Beckermann

Weiterführende Info

Künstlerin
Ruth Beckermann

*1952 in Wien, lebt und arbeitet in Wien und Frankreich.
ruthbeckermann.com

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The Missing Image (Video-Dokumentation)Ruth Beckermann

Zeitraum

Juni 2016

Vermittlung - Veranstaltungen

Links

The Missage Image
Video-Dokumentation auf Youtube