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Temporär

SIRENENSylvi Kretzschmar

SIRENEN

Performance*Klang-Choreographie*Komposition

Sechs Frauen mit Megafonen schwärmen aus. Wie Vögel, die ihr Territorium durch Gesang markieren, singen und reden die SIRENEN öffentlichen Raum herbei. Der Chor der SIRENEN bespricht in körperlicher Distanz zueinander, wie Fürsorge ohne Berührung, wie Care-Arbeit im Social Distancing funktioniert. In einer Klang-Choreographie verstärkter Stimmen werden die Interview-Aussagen von Care-Arbeiter*innen verräumlicht. Es entsteht eine polyphone und bewegliche Lautsprecheranlage verstärkter Stimmen.

Was wurde durch die „Corona-Krise“ verstärkt? Was wurde seitdem lauter, was vorher kaum wahrnehmbar war? Für welche Sehnsüchte, welche Bedürfnisse, welche Utopien sind die Erfahrungen der Pandemie ein Verstärker? Aus der Zukunft betrachtet: was wird Corona verändert haben – im schlimmsten und im besten Fall?

Diese und mehr Fragen haben wir Müttern und Vätern, Pädagog*innen, Pflegekräften, Haushaltshilfen und anderen Menschen gestellt, die in Wien nicht bezahlte/unterbezahlte Fürsorgearbeit leisten. Ein mit Megafonen „bewaffneter“ Frauenchor singt und spricht eine Collage der Interview-Antworten. Es ist eine Art Frauenarmee, deren Rede zugleich Akt emphatischer Fürsorge ist: eine Form solidarischen und aktiven Zuhörens und engagierter Zeuginnenschaft. Die SIRENEN bilden eine Allianz sehr diverser Frauen (heterogen in ihren Interessen und Erfahrungen, in Herkunft, Alter, Muttersprache sowie unterschiedlichen künstlerischen Expertisen). Eine Choreographie und Klangkomposition unter den Bedingungen räumlicher Distanz stellt Verbindungen untereinander und mit dem zerstreut-versammelten Publikum her.

Megafone haben eine extreme akustische Richtcharakteristik. Jede Bewegung verändert Richtung und Klang der Rede oder des Gesangs. Die Schichtung der durch Megafone hochfrequent verstärkten weiblichen Stimmen erzeugt einen spezifischen und nie gehörten Sound, der von den umliegenden Gebäuden widerhallt, ferne und nahe Echo-Effekte hervorruft. Die Megafone haben zudem eine Aufnahme- und Wiedergabe-Funktion, die musikalisch für Rhythmen und Loops nutzbar sind. In einem Hybrid aus Performance, Konzert und Choreographie entsteht eine ungewohnte und neue Form politischer Rede, welche die Megafone als mobile Stimmverstärker und Musikinstrumente in ihren klanglichen, rhythmischen sowie skulpturalen Potentialen auslotet.

Der Applaus derer, die sich Balkone leisten können, kann die Tatsache nicht übertönen, dass Care Arbeit noch immer zu wenig gesehen, zu wenig anerkannt sowie unangemessen oder nicht bezahlt wird. Dies betrifft zu einem großen Teil von Frauen sowie von Migrant*innen verrichtete “systemrelevante” Arbeit. Nicht ihre Stimmen, sondern die männlicher weißer Politiker, Virologen und Experten prägen hingegen den öffentlichen Diskurs der Krise. Der Chor der Sirenen ist ein Verstärker ungehörter Stimmen.

Ort

Performances #1 + #2: Friedrich-Engels-Platz, 1200 Wien
Performance #3: Otto Wagner Pavillon, Karlsplatz, 1040 Wien
Performance #4: Donauinsel: Reichsbrücke / Skaterpark am U-Bahn Ausgang "Am Hubertusdamm", 1220 Wien

Weiterführende Info

Sylvi Kretzschmar *1977 Jena, lebt und arbeitet in Wien
we-are-the-skills.de

Konzept/Regie: Sylvi Kretzschmar

Performance/Komposition/Entwicklung/Recherche: Lene Benz, Irene Coticchio, Caroline Koczan, Rahel Kraft, Sylvi Kretzschmar, Patrizia Ruthensteiner

Kostüme: Patrizia Ruthensteiner

Produktion: Oympionik*innen Productions

Choreografische Impulse: Camilla Milena Fehér

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Temporär

SIRENENSylvi Kretzschmar

Zeitraum

25. Juni – 4. Juli 2021

In Kooperation mit dem BMKOES, der Stadt Wien Kultur sowie den Kulturkomissionen der Bezirke Wieden, Brigittenau und Donaustadt.

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