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Kontextualisierung - Die TafelDie zeitgeschichtliche Neubewertung von Karl Lueger ist eine weitere Ebene der Kontextualisierung.

Kontextualisierung - Die Tafel

Die Kontextualisierung des Denkmals umfasst neben der künstlerischen Intervention des
Schiefstellens auch eine sprachliche Dimension. Für die historische Einordnung von Karl Lueger
konnte erneut der Historiker Oliver Rathkolb gewonnen werden, der bereits den Text für die 2016
neben dem Denkmal errichtete Erläuterungstafel verfasst hatte. Eine Tafel versammelt neben
dieser geschichtlichen Neubewertung auch einen Text zu Klemens Wihlidals künstlerischer
Intervention (jeweils in Deutsch und Englisch).

Im Folgenden der Wortlaut:

Karl Lueger
Zeithistorische Perspektiven

Karl Lueger (1844–1910) war Rechtsanwalt und Politiker. Ursprünglich Anhänger des Liberalismus, gründete er 1893 die Christlichsoziale Partei. Seine politische Rhetorik wurde zunehmend geprägt von aggressivem und menschenverachtendem Antisemitismus sowie von Vorurteilen gegen andere Nationalitäten der Habsburgermonarchie, vor allem Ungarn. Auch lehnte er die Verwendung der tschechischen Sprache in Wien ab, warb aber um assimilierte Tschechen. Sein politisches Handeln war von der Durchsetzung antisozialistischer bürgerlicher Privilegien in unterschiedlichen männlichen Wählerschichten geprägt. Gleichzeitig argumentierte er, dass es keinen Unterschied zwischen Christlichsozialen und Deutschnationalen gebe.

Lueger, von 1897 bis zu seinem Tod Wiener Bürgermeister, ist in der Gegenwart eine umstrittene Persönlichkeit. Während des Nationalitätenkonflikts befeuerte er die antisemitischen radikalpopulistischen Tendenzen seiner Zeit. Kaiser Franz Joseph I. bestätigte ihn deshalb erst im fünften Anlauf als Bürgermeister. Dass er vereinzelt Kontakt mit Persönlichkeiten jüdischer Herkunft hatte, änderte nichts an den weitreichenden negativen Folgen seiner antisemitischen Strategien. Als Bürgermeister setzte er 13 Jahre lang den bereits von seinen liberalen Vorgängern eingeleiteten Ausbau der kommunalen Infrastruktur Wiens fort, modernisierte die Verwaltung und förderte die Entwicklung der Zweimillionenmetropole während der Zuwanderung aus allen Teilen der Monarchie. Die Bekämpfung der extremen Wohnungsknappheit und der zu hohen Mieten war ihm kein politisches Anliegen, da er massive politische Unterstützung durch Immobilienbesitzer erhielt.

Schon zu Lebzeiten war Lueger ein „Mythos“, den er selbst förderte. Trotz politischer Gegnerschaft wurde er von Adolf Hitler zum „gewaltigsten deutschen Bürgermeister aller Zeiten“ hochstilisiert. Der Bildhauer Josef Müllner gewann 1913 den Wettbewerb für das Lueger-Denkmal, das erst 1926 zur Zeit der sozialdemokratischen Alleinregierung aufgestellt wurde. Müllner, der viele Ziele des ehemaligen Bürgermeisters teilte, war Mitglied der antisemitisch und deutschnational ausgerichteten schlagenden Burschenschaft Athenaia und trat 1940 in die NSDAP ein. (Univ.-Prof. i. R. DDr. Oliver Rathkolb)

Klemens Wihlidal
Schieflage (Karl Lueger 3,5°)
2026

Das 1926 für den Wiener Bürgermeister Karl Lueger errichtete Denkmal wurde 2026 nach einem Entwurf von Klemens Wihlidal um 3,5 Grad geneigt. Mit diesem schlichten künstlerischen Eingriff verwandelt der Künstler das Denkmal in ein Mahnmal: Sockel und Statue verharren in einem Zustand des permanenten Fallens. Diese Irritation soll die kritische öffentliche Auseinandersetzung mit Karl Lueger und seiner antisemitischen Rhetorik und Politik lebendig halten.

Das Projekt entspringt einer breit geführten Wiener Debatte über den Umgang mit der historisch belasteten Persönlichkeit Karl Luegers. 2022 entschied die Stadt Wien, einen Wettbewerb zur künstlerischen Kontextualisierung des Denkmals auszuschreiben. Diese soll die öffentliche Diskussion über das Vermächtnis Luegers ermöglichen und ein Zeichen gegen Antisemitismus in der Gegenwart setzen. Aus den 13 Konzepten der zum Wettbewerb eingeladenen Künstler*innen wählte die Wettbewerbsjury den Entwurf von Klemens Wihlidal aus. „Durch die Schieflage wird der Anspruch auf Monumentalität gebrochen“, so die Jury in ihrem Statement, „sie verändert Perspektiven auf Vergangenheit und Gegenwart.“

Weiterführende Info

Zum Hauptprojekt
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Kontextualisierung - Die TafelDie zeitgeschichtliche Neubewertung von Karl Lueger ist eine weitere Ebene der Kontextualisierung.

Zeitraum

Seit 11. Juni 2026

Vermittlung - Veranstaltungen