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Raumtexte für die Hauptbücherei WienHeinz Gappmayr

Raumtexte für die Hauptbücherei Wien

Die von 1999 bis 2002 errichtete neue Wiener Hauptbücherei am Urban-Loritz-Platz wurde innerhalb kürzester Zeit zu einem urbanen Fixpunkt, der alle Bevölkerungsschichten anzieht. Bereits unmittelbar nach der Eröffnung der neuen Bücherei wurde vonseiten der Bibliotheksleitung gemeinsam mit der Kulturabteilung der Stadt Wien Ideen zur Umsetzung eines Kunst-am-Bau_Projektes formuliert. Daran knüpfte der Beirat für Kunst im öffentlichen Raum Wien an und schlug die Einladung von Heinz Gappmayr vor.

Seit Ende der 1950er Jahre beschäftigte sich Heinz Gappmayr mit der Sprache als Kunstgegenstand. Ihn interessierte vor allem die Divergenz und Beziehung zwischen Wort, Begriff und konkretem Gegenstand der Wahrnehmung. Prozesse des Denkens werden sichtbar gemacht durch die Schrift. Früh schon konzentrierte sich Gappmayr auf bestimmte Begriffe, die dem konzeptuellen Ansatz seines Werkes entgegenkamen. Zu Konstanten seines Werkes zählen die Begriffe "Zeit" und "Raum", ontologische Begriffe wie "ist", "sind", "wird", aber auch Zahlwörter oder Farbbegriffe.

Bei der Auswahl der Raumtexte für die Hauptbücherei Wien ging es Heinz Gappmayr vor allem um das Verhältnis zwischen Architektur und Sprache. Die Bibliothek ist ein Raum für Sprache. Bücher sind Manifestationen des Gedachten. Diese komplexe Beziehung zwischen dem Inhalt der Bibliothek und der Architektur war Ausgangspunkt der künstlerischen Konzeption.
An der westlichen und östlichen Fassade der Hauptbücherei erscheint der Begriff ECHO. Auf subtile Weise umfasst der Begriff die poetische Bedeutung von Nachhall und impliziert auch eine bestimmte räumliche Situation. Gappmayr positionierte den Begriff auf beiden Außenfassaden, wobei er die verkehrspezifische Situation aufgriff, da die Autos auf einer Seite jeweils nur in eine Richtung fahren. Zum anderen erscheint das Wort auf der Fassade der Leserichtung entsprechend von links nach rechts und setzt sich dann am Drehpunkt 0 gespielt fort.
Im Inneren der Bücherei, links und rechts im Eingangsfoyer, sind folgende Wörter auf zwei zehn Meter hohen Wänden zu lesen: "sirius", "beteigeuze", "rigel", "aldebaran", "procyon", "argol". Der Betrachter ist mit seltsamen Begriffen konfrontiert, die einen archaischen Klang haben. Die Wörter schimmern in hellem, gebürstetem Aluminium. Sie erscheinen wie Botschaften fremder Welten.
Der dritte Raumtext, jener der "ZEIT" befindet sich an der Stirnseite der Eingangshalle zur U-Bahn direkt unterhalb der Bücherei. In drei Zeilen erstrecken sich Buchstabenfragmente des Wortes Zeit über die Wand. Die Fragmentierung des Begriffs betont die Zeichenhaftigkeit von Sprache. Die Schrift ist raumgreifend und rückt den Begriff der Zeit ins rein Vorgestellte, Gedachte.

Textauszug: Gaby Gappmayr, in: Kunst im öffentlichen Raum Wien. Aufbrücke - Werke - Interventionen. 2004 - 2007.

Ort

Hauptbücherei am Gürtel (Aussenfassade / Eingangshalle U-6 / Eingangshalle Hauptbücherei), Urban-Loritz-Platz 2a, 1070 Wien

Weiterführende Info

Künstler

Heinz Gappmayr
*1925 in Innsbruck (AT), † 2010 in Innsbruck (AT).

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Raumtexte für die Hauptbücherei WienHeinz Gappmayr

Zeitraum

Seit 19. Juni 2006

U6 Burggasse - Stadthalle; trams 9, 18, 49 Urban-Loritz-Platz

Flach- und Körperbuchstaben aus Aluminium

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