Am 25. September 2015, dem vierten unter der Schirmherrschaft des UN-Flüchtlingshochkommissariats UNHCR stattfindenden „Langen Tag der Flucht“, wurden am Maria-Theresien-Platz in Wien um 10 Uhr zwei Flaggen mit einem Notausgangschildmotiv gehisst. Die Installation war zwei Wochen zu sehen.
Sowohl die Bedeutung von Fluchtwegschildern als auch von Flaggen ist durch Konventionen festgelegt. Flaggen repräsentieren Länder, Verwaltungseinheiten und Organisationen; Rettungs- und Fluchtwegschilder bieten Orientierung in Notsituationen. Werden beide vereint, kommt ihre Bedeutung ins Flattern. Weder ist definiert, wem hier ein Ausweg gewiesen wird, noch wer dies tut oder wo sich dieser befindet. Notausgänge müssen unmissverständlich gekennzeichnet sein. Unklarheiten können fatale Folgen haben. Der Hinweis auf einen Notausgang, der vom Wind abhängig und somit überall und nirgends ist, führte dieses Prinzip ad absurdum. Gleichzeitig markierte ein flatterndes Notausgangsschild aber wohl auch kaum ein Hoheitsgebiet.
Durch die Präsentation am „Langen Tag der Flucht“ und die aktuellen Debatten um Flüchtlinge, Asyl und Migration stand die Arbeit per se in einem politischen Kontext. Es boten sich aber auch andere Anschlussmöglichkeiten. Die Flaggen konnten etwa als eine Metapher dafür verstanden werden, wie schnell sich Wind, Schicksal und Wege ändern können. Nicht zuletzt waren sie auch ein semiotisches Spiel, eine Irritation im öffentlichen Raum und eine Befragung von Hoheitszeichen und Ortskennzeichnungen.
Ort
Maria-Theresien-Platz, 1010 Wien
Galerie
Weiterführende Info
Künstler
Jörg Jozwiak
* 1972 in Bremen (DE), lebt und arbeitet in Wien.
jozwiak.org
Partner
Kunsthistorisches Museum Wien, UNHCR – The UN Refugee Agency




