„Als Erstes erlebt man ein Kunstwerk körperlich. Bedeutungen, Konnotationen und Assoziationen entstehen erst nach der ursprünglichen körperlichen Erfahrung, wenn die Phantasie, der Intellekt und die Psyche durch das, was man gesehen hat, entflammt werden.“ (Mona Hatoum)
Hanging Garden von 2008, Mona Hatoums acht Meter lange und 1,70 Meter hohe Wand aus Jutesandsäcken, wurde auf den Karlsplatz verpflanzt. Die Anordnung der Säcke schien auf den ersten Blick vertraut: allgegenwärtiger Teil der Architektur von Konflikten aus den Nachrichten, aus Dokumentarfotografien von Kriegsgebieten. Im pulsierenden kulturellen Kontext des Karlsplatzes, eines der Zentren Wiens, irritierte die Arbeit, schien sie doch durch die hervorsprießenden hellgrünen Gras- und Unkrautbüschel bereits längere Zeit dort zu stehen.
Kriegs- und Exilerfahrungen prägen viele der Arbeiten Mona Hatoums und entsprechen ihrer Strategie, Gegenstände zu verfremden, indem sie diese in neue, irritierende Zusammenhänge stellt. Das Vertraute und das Fremde tauschen Platz, und Hatoum sät genau zwischen jenen Dingen, die wir am meisten als gegeben hinnehmen, Keime des Zweifels. In ihren Arbeiten nehmen das Tröstliche und Bekannte etwas Bedrohliches an, während die Ausstattung des Krieges zu etwas Elegantem, Attraktivem, ja Verführerischem wird.
Hatoums Hanging Garden war eine freistehende Skulptur im öffentlichen Raum, die an Mitte des 20. Jahrhunderts entstandene Werke der italienischen Arte Povera oder amerikanischer Land-Art-Künstler denken ließ. Die Arbeit war jedoch auch eine Provokation, die nicht nur an Kriege und die damit einhergehenden Verwüstungen, sondern auch an all jene erinnerte, deren Leben ungeachtet dessen weitergeht. Auch die Sandsäcke stachen mit der Zeit nicht mehr ins Auge, sie gingen in der Landschaft auf und wurden zu Orten eines anderen, von Unkraut heimgesuchten Ökosystems, das zwischen den Spalten des Krieges gedieh.
Text: Kirsty Bell
Ort
KÖR am Kunsthalle Wien public space karlsplatz, Treitlstraße 2, 1040 Wien
Galerie
Weiterführende Info
Künstlerin
Mona Hatoum
*1952 in Beirut (LB), lebt und arbeitet in London (UK) und Berlin (DE).
Zeitraum
6. Mai – 3. Oktober 2009
Hanging Garden, 2008
Jutesäcke, Sand, Erde, Gras
Dimensionen ortsspezifisch




