Fabian Seiz ist bekannt fur Sperrmüll-Assemblagen aus Holzstücken, Kunststoff und anderen „armen“ Materialien — Werke, die seltsame Titel tragen, etwa Binärapparat für Entscheidungsunwillige, paternoster naked oder Rahmen kaputt. Der Künstler verwandelte das schaufenster in einen Bretterverschlag, der an Nicht-Orte oder Stadtperipherien erinnerte. Seine Fotografien machte er mithilfe von speziell dafür angefertigten Modellen des Orts, die er dann auf die „reale“ Größe dimensionierte, wodurch die Installation einen illusionistischen Charakter gewann. Als anarchistisch wirkendes Störelement im urbanen Umfeld transportierte das schaufenster nun die Vorstellung eines wie auch immer gearteten Ausnahmezustands oder einer zivilisatorischen Wüste im Herzen der Metropole. Wie so oft irritierte Fabian Seiz damit die BetrachterInnen und lud sie zu einem künstlerischen Rätselspiel ein, das über Fragen der Herstellung hinausging und nach dem Sinn dieses seltsamen Verbarrikadierens suchte. Selbstverständlich bot Fear of, wie der Künstler die Arbeit selbst genannt hatte, keine end- gültige Antwort. Vielmehr rief sie bei den BetrachterInnen vielerlei Assoziationen von angsteinflößenden Situationen hervor, die sich nahtlos in die tägliche Flut von Nachrichtenmeldungen über Katastrophen und Unfälle fügen.
Im Zusammenhang mit seinen Skulpturen spricht Fabian Seiz gerne von „Denkmaschinen“ — eine Bezeichnung, die sich als Handlungsanweisung an die BetrachterInnen wendet, aber umgekehrt auch auf seine Arbeitsweise zutrifft: Der Künstler bindet rohe Versatzstücke im Sinne einer Bricolage, einer „Bastelei“, aneinander und verstrebt sie gegeneinander. Gemäß dem vom französischen Ethnologen Claude Levi-Strauss beschriebenen wilden Denken findet nun das gesellschaftlich Niedrige, Gemeine und Verworfene seine überhöhte Entsprechung im Kunstwerk. Der Reiz liegt in der ironischen Verhandlung von tradierten Welterklärungsmodellen und konventionellen Betrachtungsweisen. Facettenreichtum und hoher Abstraktionsgrad ziehen sich als künstlerisches Prinzip durch das Werk von Fabian Seiz, das als Sinnbild für katalysatorische Prozesse steht. Es kulminiert in einer Grenzhinterfragung, die wie bei Fear of die Entgrenzung mittels der Raum definierenden Grenzziehung markiert.
Ort
schaufenster KÖR am Kunsthalle Wien public space karlsplatz, Treitlstrase 2, 1040 Wien
Galerie
Weiterführende Info
Zeitraum
15. April 2011 – 29. Februar 2012
Vermittlung - Veranstaltungen
- Eröffnung Donnerstag, 14. April 2011 / 18:00






