GAZEBO ist eine Galerie für öffentliche Räume. Das Projekt von eSeL (Lorenz Seidler) wirkt als temporäre Galerie, als Impulsgeber für künstlerische Aktivitäten im öffentlichen Stadtraum, als aktiver Kommunikationskatalysator und sozialer Treffpunkt für KünstlerInnen und AnrainerInnen sowie als öffentliche Schnittstelle zum Kunstfeld ebenso wie zu Medienöffentlichkeiten im Internet. Für die Realisierung des ersten Projekts bezog GAZEBO ab Sommer 2010 am Vorplatz Schönbrunner Straße 61/Ecke Grohgasse Quartier und lud zur aktiven Auseinandersetzung mit dem umgebenden Stadtraum ein.
Jörg Reissner: Hüttengaudi
31. August bis 2. Oktober 2010
Mit „malerischem Found Footage“ aus Leinwänden, Tapeten und Brettern gebrauchter Bücherregale entwickelte Jörg Reissner neue Objekte und Ensembles, die gezielt gehängt, gestapelt und einander überlagernd das gemalte Bild in den Raum erweiterten. Die GAZEBO-Holzhütte nutzte Reissner als rahmende Hülle und machte sie – leicht gekippt durch einen Stapel Bildmaterial – zugleich zum Teil seiner Installation. Eisenstangen dienten innen wie außen zur Aufhängung von Bildmaterial und im Inneren der Hütte zugleich als neu strukturierende Koordinationsachsen. Durch das hell erleuchtete Hüttenfenster konnten die Blicke der Besucher neue Verbindungen zwischen dem Ordnungssystem des Künstlers und der „gekippten“ Wahrnehmung der GAZEBO-Umgebung herstellen.
Kurator: eSeL
Emma Perrochon / Frédéric Sanchez: GAZEBO residency
September 2010
Emma Perrochon und Frédéric Sanchez wurden als „artists in residence“ eingeladen, zwei Wochen lang die Umgebung von GAZEBO zu erkunden. Sie nutzten ihren Aufenthalt für einen Workshop mit KollegInnen, um die Frage nach Möglichkeiten von „Kunst im öffentlichen Raum“ gemeinsam kritisch zu diskutieren und Lösungen für den Platz in Form grafischer Skizzen zu erarbeiten. Die gemeinsame Interaktion und deren Ergebnisse wurden in Form eines selbst publizierten „Fanzine“ dokumentiert und öffentlich verteilt.
Kuratorin: Christina Nägele
Onesto
Permanentes Projekt ab 16. September 2010
Für die angrenzende Seitenfassade des Sportfachhändlers „Intersport Riebl“ schuf der brasilianische Streetartkünstler Onesto eine ortsspezifische Illustration. In den Farben Orange, Weiß und Schwarz kreierte der Künstler eine seiner typischen Figuren, die mit spielerischem Humor Bezug auf die unmittelbare Umgebung nehmen: auf Verbotstafeln und die Interessenkonflikte zwischen Autoparkplätzen, Fahrradfahrern und verfügbaren Wandflächen für künstlerische Zwecke.
Kurator: Nicholas Platzer, INOBERAbLE gallery
Christian Eisenberger: Litfaßsäule
3. Oktober 2010 bis 25. Juni 2011
Christian Eisenbergers eigenwillige Litfaßsäule diente als Informationsstelle über laufende und kommende Projekte. Als eigenständige skulpturale Setzung des Künstlers bot sie eine Ausstellungsfläche für seine eigenen Arbeiten, lud zugleich zu Hinzufügungen aus der Nachbarschaft ein und fungierte als Informationspunkt über die GAZEBO-Projekte. Nicht zuletzt war sie ein ironischer Kommentar auf den zunehmenden Mangel an kostenlosen Gestaltungswie Ankündigungsmöglichkeiten im öffentlichen Raum.
Kurator: eSeL
Damian Stewart / LIA
3. Oktober 2010 bis Februar 2011
Die Medienkünstler Damian Stewart und LIA wählten die drei großen Bäume auf dem Vorplatz als Ort für ihre Lichtinstallation. Mehr als 40 LED-Leuchten wurden so angebracht und mittels eines selbst gebauten Computers koordiniert, dass sie die Struktur der Bäume und der Blätter unterstrichen und eine Bewegung simulierten. Die Bäume schienen über Licht- und Tonsignale miteinander zu kommunizieren.
Kurator: Michael Zeltner
Erwin Stefanie Posarnig: Der Kollaborateur
3. Oktober 2010 bis 25. Juni 2011
Mit humorvoll-kritischen Texten bedruckte Rasenstecker in Form von bunten Sprechblasen wucherten im öffentlichen Raum des Bezirks Margareten rund um das GAZEBO-Gelände.
Regula Dettwiler: Bird Karaoke
3. Oktober 2010 bis 25. Juni 2011
Regula Dettwiler lud am Eröffnungstag zum Bird Karaoke in das auf dem Vorplatz des werkzeugH stehende Gartenhäuschen ein. Ausgestattet mit einer schalldichten Verkleidung und einem Mikrofon waren Gäste, Interessierte, Nachbarn sowie Spezialistinnen eingeladen, ihre Vorstellung von Vogellauten aufzuzeichnen. Das Pfeifen, Singen und Gezwitscher wurde geschnitten und war morgens sowie in den Abendstunden dezent aus zwei Bäumen am Platz zu hören.
Kuratorin: Katrina Petter
Stefanie Wuschitz: Vagina Dentata
11. November 2010 bis Februar 2011
Mit selbst gebastelten LED-Beamern wurden Zeichnungen auf die Fenster der GAZEBO-Hütte projiziert, die mittels Bewegungssensoren die – vorwiegend männlichen! – Gäste des werkzeugH mit einer Arbeit über weibliche Sexualität der jungen feministischen Medienkünstlerin Stefanie Wuschitz konfrontierten: dem Mythos einer starken, aktiven und schamlosen bezahnten Vagina.
Kurator: eSeL
raumzeug: Kommunikatorator
26. Juni 2011 bis 24. Dezember 2011
Als Sieger des offenen GAZEBO-Wettbewerbs zur Vorplatzgestaltung lud die Künstler- und Architektengruppe „raumzeug“ mit ihrer Installation Kommunikatorator ein, den öffentlichen Raum als Kommunikationsort wiederzuentdecken. Der Kommunikatorator, eine temporäre hölzerne Dreiecksinstallation, zitierte in seiner Form den spitzen Vorplatz des werkzeugH und regte spielerisch zu Kommunikationshandlungen und aktivem Austausch an. „Kommunikation hilft!“ Gemäß diesem Vorsatz erschloss sich die temporäre Installation den Passantinnen und Passanten und eröffnete im kommunikativen Herantasten dialogische und monologische Dimensionen.
Judith Fischer: Geisterhäuschen
26. Juni bis 24. Dezember 2011
Judith Fischer transferierte ihre dokumentarische Fotoreihe Geisterhäuschen in den öffentlichen Raum. Sujets von ausgewählten (Vogel-)Häuschen, die 2011 in Österreich aufgenommen worden waren, wurden von der Künstlerin als europäische Varianten thailändischer „spirit houses“ neu kontextualisiert.
Kurator: eSeL
Rudi Hübl: Urbane Volxkunst
26. Juni bis 24. Dezember 2011
Die Ästhetik des „Wildplakatierens“ im öffentlichen Raum wurde durch Regenschirme vor dem Verschwinden geschützt und als „urbane Volkxkunst“ wiederum der Öffentlichkeit – aber auch der Witterung – ausgesetzt.
Ort
Vorplatz werkzeugH (Schönbrunner Straße 61/Grohgasse), 1050 Wien
Galerie
Weiterführende Info
KünstlerInnen
Regula Dettwiler, Christian Eisenberger, eSeL, Judith Fischer, Rudi Hübl, Onesto, Emma Perrochon / Frédéric Sanchez,Erwin Stefanie Posarnig, raumzeug, Jörg Reissner, Damian Stewart / LIA, Stefanie Wuschitz
Partner und Förderer | Partners and sponsors
eSeL, werkzeugH, Bezirksvorstehung Margareten
Zeitraum
31. August 2010 – 24. Dezember 2011
eSeL GAZEBO wurde 2009 initiiert und besteht bis heute.












