Kleidung trägt für Leo Kandl eine doppelte Gerichtetheit in sich, die des nach außen orientierten Öffentlichen und die des Privaten. In dieser Arbeit setzt sich der Fotograf über die Gesetze der Modefotografie hinweg. Er widmet seine Aufmerksamkeit nicht den schnell wechselnden Modekollektionen, sondern klassischen abgetragenen Herrensakkos, Kleidungsstücken, die Geschichten erzählen.
Oberflächenstruktur, Volumen, Schnitt und Muster füllen die Bildfläche aus und lassen den Blick des Betrachters wandern. Falten türmen sich zu riesigen Schluchten auf, das Gewebe nimmt den Blick gefangen und öffnet den Raum für Erzählungen. Die Textur wird zur Pforte in eine andere Dimension – die der Erinnerung an Berührungen und Gerüche, der Phantasien und Träume.
Leo Kandl ist ein minutiöser Chronist des Banalen. Mit Akribie und Distanz spürt Kandl, der an der Akademie der bildenden Künste in Wien studierte, seit den späten Siebzigerjahren den vielfältigen Ansichten des Alltäglichen nach, versucht unaufdringlich jene Facetten des Lebens zu dokumentieren, die zu belanglos scheinen, um unsere Wahrnehmung zu faszinieren, in ihrer Gesamtheit aber das ausmachen, was wir als Wirklichkeit erfahren.
Ort
schaufenster KÖR am Kunsthalle Wien public space karlsplatz, Treitlstraße 2, 1040 Wien
Galerie
Weiterführende Info
Künstler
Leo Kandl
*1944 in Mistelbach (AT), lebt und arbeitet in Wien (AT).
leokandl.at
Zeitraum
5. August 2008 – 1. März 2009




