Am äußeren nordwestlichen Rand des Helmut-Zilk-Parks, nahe dem Wiener Hauptbahnhof im zehnten Bezirk, präsentiert die Künstlerin Maruša Sagadin ihre neueste Installation im öffentlichen Raum B-Girls, Go!, die sie speziell für weibliche Jugendliche entwickelt hat. Ähnlich einem gemütlichen Lieblingspulli oder – in diesem Fall – einer Baseballkappe können diese sich den Ort aneignen und ihn benutzen. Während die Künstlerin in ihren Projekten jeweils auf humorvolle Weise versucht, gemeinsame Erfahrungen zu katalysieren, spricht der Titel dieses Projekts direkt zu ihrer Zielgruppe: zu den zahllosen weiblichen und genderqueeren Jugendlichen, die im öffentlichen Raum, dessen Kunst und urbaner Identität völlig unterrepräsentiert sind.
„B-Boys“ sind männliche jugendliche Hip-Hop-Tänzer und Straßenkünstler, deren Namenskürzel bereits die tief verwurzelten Genderdynamiken unterstreicht. Diesen setzt die Künstlerin eine den Mädchen gewidmete übergroße und leuchtend bunte Baseballkappe aus Metall entgegen. Die Künstlerin hat einen Ort der Ermächtigung, des Sichtbarmachens, des Platzschaffens für all jene konzipiert, deren soziale gesellschaftliche Position eine Marginalisierung erfährt. Der „Schattenwurf“ aus Holz von Sagadins Kappe bietet Unterschlupf für alle und lädt zum Innehalten ein, während man neues Selbstbewusstsein schöpft. Hier erzählt man sich Geheimnisse, schmiedet Zukunftspläne oder prahlt mit dem eigenen Können. Diese Freiheiten stehen sowohl dem Individuum als auch seiner Umgebung zu.
Anstatt die Jugendsubkultur zu einem historischen Moment oder einem statischen Vorbild zu verklären, zeigt Sagadin deren Kontinuität auf und betont, dass Trends niemals stillstehen. Die Künstlerin richtet ihr Augenmerk auf den jugendlichen Überschwang, und stellt eine Plattform für deren neueste Ausdrucksformen, seien es DJ-Sets, Tanz, Picknicks, Gespräche oder Partys, zur Verfügung.
Wie bei ihren früheren Skulpturen arbeitet Sagadin hier mit poppigen Elementen und einer ungehobelten Ästhetik, um die Gebrauchsfunktion ihrer Werke zu verdeutlichen. Dadurch verbindet sie die Sensibilitäten der Pop Art mit auf den Standort zugeschnittenen Ideen. Für sie ist B-Girls, Go! keine Statue, sondern ein Spielfeld.
Text: JL Murtaugh
Ort
Helmut-Zilk-Park, Ecke Antonie-Alt-Gasse/Alfred-Adler-Straße, 1100 Wien
Galerie
Weiterführende Info
Maruša Sagadin
*1978 in Ljubljana (SI), lebt und arbeitet in Wien (AT).
marusa.sagadin.at
Zeitraum
21. Oktober 2018 bis Ende November 2019
Für die Unterstützung bei der Realisierung und Vermittlung des Projektes bedanken wir uns bei dem Jugendtreff Arthaberbad & dem Jugendtreff Sonnwendviertel.
Vermittlung - Veranstaltungen
- Eröffnung Samstag, 20. Oktober 2018 / 15:00








