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A Chicken Can't Lay a Duck EggClaudia Märzendorfer

A Chicken Can't Lay a Duck Egg

Das Werk der Bildhauerin Claudia Märzendorfer verschreibt sich dem Prozesshaften, dem Flüchtigen und Unbeständigen. Ikonisch sind ihre Eisschallplatten (frozen records, 2005), die sie in DJ-Sets aus der Kühltruhe auflegt und die sich naturgemäß nur einmal abspielen lassen. Ihre Musikschreibmaschine (music typewriter, 2012) aus gefrorener Tinte durchfärbt langsam den Stapel von Notenpapier, auf dem sie steht. Diese performativen Skulpturen zeugen von der unangepassten Arbeitsweise der Künstlerin jenseits marktorientierten Denkens. Märzendorfer arbeitet mit verschiedensten Materialien und Medien; ihr Hauptmaterial aber ist die Zeit.

Am Wiener Graben baut sie auf einem eisblockartigen Sockel ein Stillleben aus Flaschen, Kanistern und Säcken auf, die sie von Plastikbehältern abgegossen hat. Die hellen seidenmatten Oberflächen der Objekte lassen an Knochen oder Stein denken. Das keramische Abgussmaterial gibt kleinste Details wieder: die feinen Rillen der Flaschendeckel, die erhabene Schrift auf Containern mit der Angabe von Füllmengen oder Produktinformationen. Der Faltenwurf der Säcke erinnert an marmorne Barockskulpturen, der reflektierende Glanz des Sockels an die Stuckmarmortechnik des Stucco lustro.

In der Manier der Vanitas-Darstellungen des 17. Jahrhunderts fügt Märzendorfer ihrer weißen Landschaft aus Plastikmüll weitere Gegenstände irdischer Existenz – in der Barockmalerei waren dies oft Geld, Bücher oder Musikinstrumente – hinzu: Aus schwarzer Tinte hat sie Goldbarren, Schellackplatten, Nüsse, Granatäpfel, Pfirsiche, Muscheln und Oktopusse gefroren, die sie am Eröffnungstag im Stillleben platziert. Hier zerrinnt „das Vergängliche“ buchstäblich vor den Augen des Publikums und hinterlässt eine schwarze Zeichnung, die über die Monate verblassen und verschwinden wird. Zurück bleibt die Skulpturengruppe aus Flaschen, Kanistern und Säcken, eingefroren im Moment, der trägen Natur ihrer Formgeber aus Plastik gemahnend. Dieses benötigt nämlich 450 Jahre, um zu immer noch umweltbelastendem Mikroplastik zu zerfallen. Märzendorfer agiert auf unterschiedlichen zeitlichen Ebenen, die sie performativ überlagert. Wie im Zeitraffer verhalten sich die Objekte aus schwarzem Eis vor dem Hintergrund der Plastikmüll-Landschaft.

Bereits 2019 hat Märzendorfer in ihrer Ausstellung A Blazing World (Eine gleißende Welt) auf die Unmengen von Kunststoff in den Weltmeeren und das neue aus Plastikmüll entstandene Plastiglomerat mit Skulpturen und Texten reagiert. Sprache ist ein anderes wiederkehrendes Material der Künstlerin. Oft arbeitet sie mit entlehnten Werktiteln und öffnet so eine weitere gedankliche und narrative Ebene. A Chicken Can’t Lay a Duck Egg ist ein Zitat des amerikanischen Menschenrechtsaktivisten der 1960er Jahre Malcolm X und der Titel eines Buches von Graeme Maxton und Bernice Maxton-Lee von 2020. Darin rufen die beiden Autor*innen zum radikalen Umdenken im Umgang mit der Klimakrise auf, um katastrophale und unumkehrbare ökologische Auswirkungen noch aufzuhalten. Denn eine klimagerechte Gesellschaft kann nicht aus einem System heraus entstehen, das auf kurzfristiger Profitmaximierung und stetigem Wachstum basiert – in den Worten von Malcolm X in seinem Kampf gegen den Rassismus: „Ein Huhn kann kein Entenei legen“. Es bedarf eines grundlegenden Systemwandels. Dieses Bild übernimmt Märzendorfer mit dem Titel als weitere Ebene in ihr performatives Stillleben. (Olga Wukounig)

Ort

Kunstplatz Graben, Höhe Graben 21, 1010 Wien

Weiterführende Info

Claudia Märzendorfer, geboren 1969, lebt und arbeitet in Wien. Märzendorfer studierte von 1994- 2001 an der Akademie der Bildenden Künste und diplomierte im Fach Bildhauerei bei Bruno Gironcoli. Die Arbeit mit gefrorenem Wasser verfolgt die Künstlerin bereits seit den 1990er-Jahren. Das ephemere dieser Plastiken erweitert das Medium der Bildhauerei um eine zeitliche Dimension. Das Prozesshafte und Performative steht auch in Claudia Märzendorfers künstlerischer Arbeit mit anderen Materialien im Fokus.

Die Künstlerin wurde u.a. mit dem Staatsstipendium für bildende Kunst (2010), dem Outstanding Artist Award (2014), dem Gerhard und Birgit Gmoser-Preis für Gegenwartskunst, Secession Wien (2017) und dem Preis der Stadt Wien (2023) ausgezeichnet.

Einzelausstellungen (Auswahl): Neuer Kunstverein Wien (2024/2025), Kunsthaus Mürz (2020), MQ ART BOX (2020), Kunsthaus Wien (2019), OK Linz (2019). Gruppenausstellungen und Festivals (Auswahl): „De Sculptura“, Albertina Klosterneuburg (2025), „Touch Nature“, Lentos Kunstmuseum (2025), “Sound of Bethany“, 50 Jahre Künstlerhaus Bethanien, Berlin (2024), “The Beauty and Diversity“, Albertina Modern (2024), „Sounding Bochum“, Kemnade, Festival für klangbasierte Kunst (2022), „BE SEEING YOU“, Kunstverein Mannheim (2020), „Discrete Austrian Secrets“, Chongqing Galaxy Museum of Contemporary Art/ GCA (2019), „Anchor Zero“, Frey Art Museum Seattle (2015).

Kunstplatz Graben
An einem der zentralsten Orte der Stadt, dem Wiener Graben, wurde 2010 ein neuer, permanenter Ort für Kunst im öffentlichen Raum geschaffen, der seitdem jedes Jahr neu bespielt wird.

Bisherige Projekte: Cosima von Bonin (2010), Thomas Schütte (2011), Clegg & Guttmann (2012),
Matt Mullican (2013), Axel Stockburger (2014) Julien Berthier (2015), Nevin Aladag (2016), Didier Fiuza Faustino (2017) Monica Bonvicini (2018), Jessica Stockholder (2019), Alexandra Bircken (2020), Lara Favaretto (2021), Hannes Zebedin (2022), Kris Lemsalu (2023), bankleer (2024), Marinella Senatore (2025)

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A Chicken Can't Lay a Duck EggClaudia Märzendorfer

Zeitraum

13. Mai – 30. Oktober 2026

U1, U3 Stephansplatz, U3 Herrengasse

Nächster Termin

Eröffnung Dienstag, 12. Mai 2026 / 18:00

Vermittlung - Veranstaltungen

Presse

Zu den Unterlagen

Links

Webseite Claudia Märzendorfer