Hannah Stippl hat mit ihrem Projekt work in progress die Stützmauern des Ernst-Arnold-Parks im fünften Wiener Gemeindebezirk – in Reaktion auf die Sprayer- und Graffitiszene, die sich dieser Flächen längst bediente – zum Malgrund für eine dialogisch angelegte künstlerische Intervention gemacht. Ihre Wandmalerei rekurriert auf natürliche, botanisch-pflanzliche Strukturen. Die aus Farbflächen bestehenden und mithilfe von Malerwalzen erzeugten repetitiven Gefüge zielen jedoch nicht auf mimetische Abbildung, sondern evozieren vielmehr einen mehrdeutigen Eindruck von Natürlichem. Der Durchgangsort ist durch die Intervention zum Modell eines veränderlichen Kunstwerks geworden, das auf sozialen Austausch abzielt.
Bedeutet Hannah Stippls teils impressionistisch anmutende Darstellung im öffentlichen Raum per se eine Ästhetisierung? In dieser Lesart würde work in progress nichts weiter als eine eskapistische Projektionsfläche bilden. Systemreflexiv betrachtet hat die Künstlerin jedoch ein malerisch-interventionistisches Dispositiv geschaffen: Ihre Wandmalerei fordert Übermalungen und Einschreibungen fremder AkteurInnen und AutorInnen geradezu heraus. Stippls work in progress spannt ein offenes ästhetisches System auf, das die soziokulturell und letztlich stets politisch bestimmten Zuordnungen und Grenzverläufe von Subjekt/Öffentlichkeit sowie AutorIn/RezipientIn befragt und auf die Probe stellt.
Text: David Komary
Ort
Stützmauern entlang des Ernst-Arnold-Parks, 1050 Wien
Galerie
Weiterführende Info
Künstlerin
Hannah Stippl
*1968 in Wien, lebt und arbeitet in Wien.
hannahstippl.com
Dieses Projekt wurde im Rahmen eines künstlerischen Wettbewerbs als Siegerprojekt gekürt. Für mehr Informationen folgen Sie diesem Link:
Zeitraum
Seit 1. Juli 2010
Vermittlung - Veranstaltungen
- Eröffnung Donnerstag, 1. Juli 2010




