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Mit sofortiger Wirkung - Künstlerische Eingriffe in den AlltagOliver Hangl, Marlene Haring, Maruša Sagadin, Anna Witt, Institut für Alltagsforschung

Mit sofortiger Wirkung - Künstlerische Eingriffe in den Alltag

Wie greifen KünstlerInnen in den Alltag ein? Welche Strategien und Handlungsformen setzen sie ein? Das Projekt Mit sofortiger Wirkung — Künstlerische Eingriffe in den Alltag versammelte Interventionen, Performances und Installationen, die im öffentlichen Raum stattfanden — von Günter Brus’ Wiener Spaziergang 1965 bis zu Banksys aktuellen Graffitis. Die Ausstellung lud ein, sich aktiv mit verschiedenen künstlerischen Strategien des Eingriffs und deren Absichten, Zielen und Wirkungen auseinanderzusetzen. Parallel dazu griffen die KünstlerInnen Oliver Hangl, Marlene Haring, Maruša Sagadin, Anna Witt und das Institut für Alltagsforschung rund um den Karlsplatz in den Alltag der WienerInnen ein: Mit eigens entwickelten Arbeiten wurden Routinen subtil unterwandert oder die PassantInnen auch einmal direkt angesprochen.

Oliver Hangl: La La La
Mit der akustischen, mobilen Guerilla-Aktion zielte Oliver Hangl auf die unbewusste Wahrnehmung der zahlreichen PassantInnen am Wiener Karlsplatz ab. Über 80 per Aufruf rekrutierte „AgentInnen“ platzierten eine Woche lang summend, pfeifend oder singend einen Ohrwurm an diesem urbanen Knotenpunkt. Dabei fluteten die AkteurInnen einzeln und unauffällig die vielen Passagen, Bahnsteige, Rolltreppen und Wege mit einem kurzen, musikalischen Refrain, sodass sich eine akustische Endlosschleife im Kopf der zufälligen ZuhörerInnen einstellte.

16. bis 20. Januar 2012 (jeweils 8 bis 10 Uhr und 15.30 bis 17 Uhr)

Marlene Haring: Spiegelgesellschaft
In London und Wien stand Marlene Haring mit einem körpergrosen Spiegel vor verschiedenen Geschäften — wie 2007 bereits auf der Pariser Champs-Élysées mit der Performance Marlène derrière le miroir. Drei Stunden hielt sie damals einen Spiegel mitten im Eingang von Guerlain. Die PassantInnen reagierten im Vorbeigehen, aber auch direkt an die Künstlerin gewandt. In London etwa forderte das Sicherheitspersonal sie auf, die Aktion zu beenden und das nächste Mal eine Erlaubnis einzuholen. In Wien dagegen schienen sich die Menschen davor zu fürchten, ihr Spiegelbild zu betrachten oder sich laut zu äußern.

Maruša Sagadin (mit Unterstützung von Chris Fladung): MC for you vor ort
Nicht subtil und dezent, sondern wie eine Marktschreierin preist die Künstlerin etwas an, was wir schon zu kennen glauben. Die Künstlerin trug einen selbst gebauten Ghettoblaster als Soundobjekt in den öffentlichen Raum und bewarb ihn als Ware eines nicht definierten Anbieters. Er war bunt, aus Kartonrohren, ein bisschen schrill und hipp, ein wenig trashig und urban. Straßenkultur pur, war hier die Devise. PassantInnen fanden ihn auf Mauervorsprüngen, Telefonzellen und Fenstersimsen und durften sich einfach nur wundern!

Anna Witt: Leute vor Banken
Wirtschaftskrise, Bankenpleiten, Spekulationsblasen: Die Unzulänglichkeiten aktueller Finanzsysteme drohen, die gegenwärtige Wirtschaftswelt aus den Fugen geraten zu lassen. Wie die Leute arbeiten, die direkt für diese Vorgänge verantwortlich zu sein scheinen, ahnt man. Aber wie steht es um jene, die daran eher indirekt beteiligt sind? Anna Witt engagierte Sicherheitspersonal vor Banken als „Denkagenten“ und bat sie, sich Gedanken über Probleme und alternative Formen des Kapitalismus zu machen. Nach Arbeitsschluss traf sie sich mit ihnen, um vor laufender Kamera darüber zu sprechen. Die Beteiligten blieben dabei anonym. Im Videointerview sind lediglich ihre Hände zu sehen, die auf Schmierblättern Details ihrer Ideen skizzieren. Die Künstlerin provoziert Auseinandersetzungen mit den eigenen Handlungs- und Denkmustern.

Institut für Alltagsforschung: Und plötzlich …
Im Vorbeigehen finden PassantInnen scheinbar verlorene Portemonnaies auf dem Gehsteig. Heben sie diese auf, entdecken sie darin einen kleinen Geldbetrag und eine Karte mit Anweisungen, wie das Geld verwendet werden soll: „Dies ist eine Maßnahme des Instituts für Alltagsforschung zur Verschönerung Ihres Alltags …“. Um Rückmeldung wird gebeten.
Die Intervention unterwanderte überraschend, aber bestimmt den Alltag der FinderInnen. Sie ermunterte, die laufende Routine zu verlassen, machte die zu überwindende Hemmschwelle spürbar und erinnerte daran, wie die Verfügbarkeit von Zeit und Geld unsere täglichen Abläufe bedingt.

Ort

Interventionen rund um den Karlsplatz, 1040 Wien

Weiterführende Info

KünstlerInnen

Oliver Hangl
*1968 in Grieskirchen (AT), lebt und arbeitet in Wien
olliwood.com

Marlene Haring
*1978 in Wien (AT), lebt und arbeitet in London (GB)
marleneharing.com

Maruša Sagadin
*1978 in Ljubljana (SI), lebt und arbeitet in Wien
marusa.sagadin.at

Anna Witt
*1981 in Wasserburg am Inn (DE), lebt und arbeitet in Wien
annawitt.net

KuratorInnen

Franziska Bettac, Barbara Biesuz, Isabelle Blanc, Severin Dünser, Stephanie Endter, Lisa Füting, Thomas Häusle, Marc Horisberger, Kerstin Hosa, Elisabeth Lacher, Astrid Mader, Tinatin Natsvlishvili, Nadja Plagens, Elisabeth Pohl, Chiara Riccardi, Alexander Samyi

Über das Projekt

Das Projekt wurde im Rahmen des ecm-Lehrgangs 2010–12 von der Universitat für angewandte Kunst Wien initiiert.
Ausstellung im the project space Kunsthalle Wien, Treistlstraße 2, 1040 Wien.

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Mit sofortiger Wirkung - Künstlerische Eingriffe in den AlltagOliver Hangl, Marlene Haring, Maruša Sagadin, Anna Witt, Institut für Alltagsforschung

Zeitraum

14. – 29. Jänner 2012

Vermittlung - Veranstaltungen

Links

ECM-Ausstellung