Auf Texten und O-Tönen des deutschen Künstlers Martin Kippenberger (1953–1997), der lange Phasen seines Lebens in Wien und Graz verbrachte, fußte die Klanginstallation, die Oliver Augst gemeinsam mit Rüdiger Carl und Sven-Åke Johansson für den Donaukanal entwickelte. Carl und Johansson waren Weggefährten und Freunde Kippenbergers, die gemeinsam Aktionen und Performances umsetzten. Die aus dem Jahr 1989 stammende Publikation Jazz zum Fixen des Calma-Trios, welches aus Carl, Kippenberger und Albert Oehlen bestand, stellt ein Zeitdokument dieser Zusammenarbeit dar. Auf sie griffen die Künstler unter anderem in der Klanginstallation zurück.
„Iß nicht zu viel vom Topfenstrudel / Er könnt dich verstopfen, Trudel!“ oder „Heute denken / Morgen fertig“ sind Beispiele für die absurden Gedichte, für die Kippenberger bekannt ist. Die Sprache ist eine Konstante in seinem Œuvre. In Form von elendslangen Reden, Kalauern, Reimen, Zitaten, aberwitzigen Bildtitelfindungen und Slogans, die er unterschiedlichsten Quellen entlehnte, bahnte sich Kippenberger den Weg in die Hör- und Sehkanäle seines Publikums. Die neu vertonten Gedichte wurden um O-Töne von Kippenberger ergänzt. Der Live- bzw. Randomcharakter bestimmte die Klanginstallation: Ein Abspielmodus mit einer mathematischen Fakultät von 99 (1 × 2 × 3 × 4 × ... × 99) erlaubte immer wieder neue Sprach- und Tonabfolgen, die von unterschiedlich langen Sequenzen der Stille durchbrochen werden.
Bereits seit 2008 arbeiten Augst, Carl und Johansson zusammen und beziehen sich dabei auf Texte Kippenbergers – ganz im Sinn des Künstlers, der selbst auf Arbeiten von Künstlerkollegen zurückgriff und diese neu collagierte. Dem sehr erfolgreichen Hörspiel Kippenberger hören folgten Liveperformances unter dem Titel Aufstehn/Stuhl kaputt machen/you/yellow/you, so auch in Wien im Rahmen einer MAK Nite 2009. Die Installation am Donaukanal war eine Weiterentwicklung des ursprünglichen Konzepts und stellte sich gleichzeitig als eine Rückkehr Kippenbergers in den öffentlichen Raum Wiens dar.
Der Donaukanal als Ort für die Klanginstallation erschien aus mehreren Gründen folgerichtig. Die U-Bahn, die an dieser Stelle hör- und sichtbar wird, war für Kippenberger Motiv und Denkmodell: Er wollte die Welt mit einem virtuellen U-Bahn-Netz umspannen, das er „Metro Net WORLD CONNECTION“ nannte, ließ dafür an abgelegenen Orten U-Bahn-Abgänge bauen, die nirgendwohin führten, installierte 1991 in der U-Bahn-Station Neubaugasse sein Tiefes Kehlchen für die Wiener Festwochen und war posthum 2003 mit einem U-Bahn-Lüftungsschacht auf der 50. Biennale von Venedig vertreten. Die Styles und Tags der Graffitisprayer sowie die Belebt- und Beliebtheit des Areals in den Sommermonaten entsprechen Kippenbergers Bedürfnis, in permanentem sozialem Kontakt mit seiner Umwelt zu stehen, woraus sich auch sein multimediales Werk, das „alles und jeden“ involvierte, über weite Strecken speist.
Ort
Schwedenbrücke, Promenade am Donaukanal, 1010 Wien
Marienbrücke, Promenade am Donaukanal, 1010 Wien
Galerie
Weiterführende Info
Künstler
Oliver Augst
*1962 in Andernach am Rhein (DE), lebt und arbeitet in Paris (FR)
textxtnd.de
Rüdiger Carl
*1944 in Goldapp (DE), lebt und arbeitet in Frankfurt/Main (DE).
Sven-Åke Johansson
*1943 in Mariestad (SWE), lebt und arbeitet in Berlin (DE).
sven-akejohansson.com
Partner
Wiener Linien, Wien Kanal, MA29 - Brückenbau und Grundbau.
KIPPENBERGER HÖREN. Eine Klanginstallation am DonaukanalOliver Augst in Zusammenarbeit mit Rüdiger Carl und Sven-Åke Johansson
Zeitraum
17. Juni – 9. Oktober 2016
täglich von 8 bis 22 Uhr
Vermittlung - Veranstaltungen
Presse
Kooperationspartner





