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ZU SPÄTCarola Dertnig

ZU SPÄT

ZU SPÄT wuchs es auf dem Morzinplatz. ZU SPÄT. Als mahnender, an viele Versäumnisse erinnernder Ausruf. ZU SPÄT wurden während des Nationalsozialismus verfolgte und ermordete Homosexuelle und Transgender als Opfer anerkannt. ZU SPÄT wartet der Platz immer noch auf eine würdige Nutzung. Österreich hat sich Zeit gelassen, den Nationalsozialismus aufzuarbeiten und ZU SPÄT richtige Fragen zur Vergangenheit gestellt: Der Schriftzug wurde bewusst als unmittelbares Gegenüber zur einstigen Gestapo-Leitstelle im ehemaligen Hotel „Métropole“ gesetzt, wo heute der Leopold-Figl-Hof, ein Wohnhaus steht.

Die Künstlerin Carola Dertnig und die Landschaftsarchitektin Julia Rode schufen im Rahmen der speziellen Zusammenarbeit für das Projekt den 20 Meter langen Schriftzug aus widerstandsfähigen Pflanzen und fassten ihn mit Metallbändern ein. Ein ansteigender Holzsteg führte die BesucherInnen zur unmittelbaren Betrachtung, zur bewussten Auseinandersetzung mit der künstlerischen Intervention und der Thematik des Ortes: sich der Vergangenheit zu stellen und zugleich die Gegenwart als Produkt eben jener Vergangenheit zu begreifen. Die Pflanzenarten, Hauswurz, Nelke und Fetthenne, für die sich Carola Dertnig und Julia Rode entschieden haben, sind extrem resistente Gewächse, Bodendecker, die den spröden Standort verkraften und einfach weiter treiben. Der Hauswurz werden im Übrigen antiseptische Fähigkeiten nachgesagt; die Nelke gilt als Symbol kämpferischer Gemeinschaft. So wird über das Können der Pflanzen eine poetische, nicht unmittelbar rücklesbare Korrespondenz mit der Thematik eingeführt.

Denn Dertnig und Rode sprechen hier konkret die Geschichte der Verfolgung, Vernichtung und nachfolgenden Nicht-Anerkennung der Homo- und Transsexuellen als Opfer des „Dritten Reichs“ an.

In der 1936 eingerichteten Reichszentrale zur Bekämpfung der Homosexualität und Abtreibung, wurde etwa die Zusammenfassung sexueller Minderheiten zu einer homogenen Gruppe institutionalisierte Realität. Nicht zuletzt wandte sich die Installation auch gegen eine Homogenisierung Schwuler, Lesben und Transsexueller zu einer Opfergruppe — und dagegen, sie als ewigen Spiegel der Heteronormativität zu begreifen. So konnte ZU SPÄT durchaus auch als Aufforderung verstanden werden, Einstellungen und übernommene Glaubenssätze zu überdenken und zu verändern.

Auszüge aus dem Text von Carola Platzek.

Ort

Ruprechtspl. 1, 1010 Wien, Österreich

Weiterführende Info

Künstlerinnen

Carola Dertnig
*1963 in Innsbruck (AT), lebt und arbeitet in Wien
caroladertnig.at

Julia Rode
*1981 in Graz (AT), lebt und arbeitet in Wien

Partner und Förderer

Gartengestaltung Fuchs, Neufeld
WASt – Wiener Antidiskriminierungsstelle für gleichgeschlechtliche und transgender Lebensweisen

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ZU SPÄTCarola Dertnig

Zeitraum

7. Juli 2011 - 31.Oktober 2012

Termine

Links

Website Carola Dertnig