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Temporär

SpannungsunterbrechungPeter Dessler

Spannungsunterbrechung

Ein elegant gekleideter Herr in Anzug demontiert sämtliche Gegenstände eines noblen Business-Class-Hotelzimmers und verpackt sie in einen Koffer. Der gleiche Mann, diesmal bekleidet mit Morgenmantel, weißem Hemd, Fliege und Smokingschuhen, taucht auf einem großen grünen Tennisfeld beim Tie-Break im Wiener Semper-Depot auf.

Wie so oft bei Peter Dressler steht der Künstler als alleiniger Darsteller in die Szene beherrschenden Räumen im Mittelpunkt der poetischen Beobachtung. Dabei ging es dem Fotografen in seinen konzeptuellen Arbeiten weder um ein selbstverliebtes Auffächern seiner unterschiedlichen Persönlichkeitsanteile noch um das Ausagieren emotionaler Zustände. Peter Dressler liebte es, Geschehnisse zu schildern und Verhaltensweisen von Menschen zu sezieren. Zunächst war er erst einmal sein eigener Schauspieler und aus pragmatischen Gründen sich selbst am nächsten.

Peter Dressler beschrieb seine Fotografie als fixierten Film, die den Vorteil eines Verweilens im Detail in sich berge. Daraus entfalten sich die Originalität und die spezielle Form der Komik: Die angehaltene Geschichte, die für Film und Literatur zu kurz wäre, erschließt in der Fotografie eine Zeitform, die den Moment zwischen einem Vor und Danach einklammert und ihn aus dem Standbild heraus ins Skurril-Absurde hebt. So entwickeln sich in den Bildern, die nicht davonlaufen können, Neurosen der Alltäglichkeit und übersteigerte Formen der Aneignung. Dresslers Bildfindungen haben immer eine angenehme Langsamkeit und führen wie in „Tie Break“ – einem Duell mit sich selbst – die Selbstbezüglichkeit und Melancholie des in den Mauern seines Selbst gefangenen modernen Menschen auf.

Text: Angela Stief

Ort

schaufenster KÖR am Kunsthalle Wien public space karlsplatz, Treitlstraße 2, 1040 Wien

Weiterführende Info

Künstler
Peter Dressler
*1942 in Kronstadt (RUS), † 2013 in Prag (CZ).

Kuratorin | Curator
Angela Stief

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SpannungsunterbrechungPeter Dessler

Zeitraum

28. Oktober – 17. April 2011

Links

Kunsthalle Wien