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Karl-Wrba-Hof als Kunstgastgeber: Kunst zahlt Miete/​Miete zahlt KunstRegula Dettwiler, Mirjana Djordjević, Thomas Draschan, Aldo Giannotti, Paul Albert Leitner, Marko Lulić, Johanna Reiner, mahony, Axel Stockburger, Lukas Pusch

Karl-Wrba-Hof als Kunstgastgeber: Kunst zahlt Miete/​Miete zahlt Kunst

Was passiert, wenn Menschen einander begegnen? Fragen werden gestellt, Neugierden geweckt, Antworten überlegt und Erfahrungen ausgetauscht. In diesen Momenten entstehen die Erinnerungen der Zukunft: neue Geschichten. Genau darum ging es im Projekt Karl-Wrba-Hof als Kunstgastgeber. Kunst zahlt Miete/Miete zahlt Kunst — um das Entstehen von Geschichten, die anders so nicht erzählt werden konnten. Auf Initiative von Kunst im öffentlichen Raum GmbH in Zusammenarbeit mit wohnpartner Das Nachbarschafts-Service im Wiener Gemeindebau wurde das Projekt im Oktober 2011 realisiert. Bei einem Zusammentreffen zwischen Kunst, KünstlerInnen und BewohnerInnen des Karl-Wrba- Hofs, einer Gemeindebauanlage im 10. Wiener Gemeindebezirk, entstanden diese Geschichten. Im Sommer 2011 erhielten alle BewohnerInnen und die ausgewählten KünstlerInnen eine Teilnahme-Einladung. Die BewohnerInnen, die mitmachen wollten, nahmen ein Kunstwerk als Gast bei sich auf. An vier Nachmittagen öffneten sie ihre Wohnungen zu bestimmten Zeiten für die Öffentlichkeit, die so die Kunstwerke, die KünstlerInnen und die GastgeberInnen kennenlernen konnte. Insgesamt haben die BewohnerInnen von elf verschiedenen Wohnungen zwölf Kunstwerke von zwölf KünstlerInnen beherbergt. Die BewohnerInnen erhielten eine Aufwandsentschädigung, die sie auch als Budget für den Kauf des jeweiligen Kunstwerks verwenden konnten.

Bei diesem Projekt ging es nicht um das Einlösen oder Ablösen gängiger Vorstellungen über zeitgenössische Kunst oder Wohnen im Gemeindebau. Vielmehr drehte es sich in erster Linie darum, Gespräche und Erfahrungen zu ermöglichen, die langfristig bei allen Beteiligten als erlebte Geschichten in Erinnerung bleiben sollten. Der Fokus richtete sich auf die Ermutigung, einen Dialog zu führen. Dass in diesem Zusammenhang auch Privatheiten zu Ausstellungsstücken mutierten, liegt in der Natur der Sache — eine große Herausforderung vor allem für die BewohnerInnen, aber auch für die BesucherInnen.

Für jeden Beteiligten hat sich in seinem Referenzsystem etwas verschoben. Es wurde klar, dass bestimmte Vorstellungen über bestimmte Wirklichkeiten nicht unbedingt übereinstimmen: Stimmungen, Wohnungseinrichtungen, Ansichten und Aussichten — oft waren sie ganz anders als erwartet. Neue Erfahrungen wurden gemacht. Und Nachhaltigkeit entstand im Kopf.

Text: Robert Punkenhofer, Gerald Straub und Katarzyna Uszynska

Regula Dettwiler zu Gast bei Familie Ari
Regula Dettwilers delikate Pflanzenskulpturen tauchten ganz selbstverständlich in die Umgebung ein — fast unsichtbar standen sie auf der Treppe hin zum Obergeschoss der Wohnung. Der familienangehörige Papagei war begeistert über den neuen Klangteppich — und die BesucherInnen wussten manchmal nicht, wer nun welche Geräusche von sich gab. „Ist der echt?“

Mirjana Djordjević zu Gast bei Familie G. Er
Mirjana Djordjevics Videoarbeit war im Wohnzimmer bestens aufgehoben. Der Flatscreen stand im Zentrum des Geschehens und die BesucherInnen rund herum. „Bewegt sich da etwas?“

Thomas Draschan zu Gast bei Familie Arabaci
Thomas Draschan nahm Bezug auf die Kupferarbeit vom Großvater der BewohnerInnen, die im Rahmen des Projekts wieder aufgetaucht ist. „Fantastischer Ausblick!“, „Und was hat das mit Hundstage zu tun?“

Aldo Giannotti zu Gast bei Familie I. Winkler
Aldo Giannottis Lichtskulptur stand da, wie angegossen. Die neue Küche war ein Highlight. „Wo ist das Kunstwerk?“, „Was ist ein Pizzaschnitzel?“

IEFS Kiesling & Stolberg zu Gast bei Familie Miladinović
IEFS Kiesling & Stolberg drehten den Spieß um und machten mit der interaktiven Kunstaktion Wollen Sie nicht Platz nehmen? die BesucherInnen zum Ausstellungsstück. Das Sofa diente zum Ausruhen — wie sonst auch, nur dieses Mal nicht den BewohnerInnen, sondern fremden Menschen. Diese lernten so einen Teil der Stadt „von innen“ kennen, in den sie ohne äußeren Anlass nie gelangt waren. „Ah, der war schon hier?“

Paul Albert Leitner zu Gast bei Familie Klobutschar
Paul Albert Leitners Fotoarbeiten waren der Einstieg zur „Sammlung Klobutschar“: Fotografien, Geschichten voller Überraschungen. „Sie arbeiten mit einem Computer?“

Marko Lulić zu Gast bei Familie A. Er
Marko Lulić assoziierte mit seinem Text bei manchen BewohnerInnen kulinarische Erinnerungen. „Das kenne ich.“

mahony zu Gast bei Familie W. Winkler
Zwei Kunstwerke des Bewohners rahmten das Werk der KünstlerInnengruppe mahony und rückten es mit dessen Einführungsworten ins Bewusstsein des Publikums. „Bir Tawil passt ausgezeichnet zu Nofretete.“

Lukas Pusch zu Gast bei Familie A. Er
Die Fotoarbeit von Lukas Pusch lebte von dessen Erzählungen — und von den Fragen an ihn: „Was Sibirien?“, „Wer hat den LKW gestohlen?“

Johanna Reiner zu Gast bei Familie Kozan
Johanna Reiner nahm die Frage nach dem Arbeitsplatz vorweg. Andere Bindungen zwischen Wien und der Türkei waren rein zufällig: Die Schwester des Vaters der Familie lebt in einem Ort, wo die Künstlerin 2011 ein Projekt umgesetzt hat. „Bitte liebe Grüße.“

Axel Stockburger zu Gast bei Familie Mete
Axel Stockburgers digitaler Foto-/ Videoframe über chinesische Cosplayer fiel im Regal unter den Familienfotos auf den ersten Blick nicht weiter auf. „Das sind selbst gemachte Kostüme?“, „Und wo lebt Ihr Sohn jetzt?“

Kunst zahlt Miete/Miete zahlt Kunst war angelehnt an die Idee des von Gerald Matt und Ronald Jörg konzipierten Projekts Kunst ist die halbe Miete (1993, Bludenz).

Ort

Karl-Wrba-Hof, Sahulkastraße 3, 1100 Wien

Weiterführende Info

KünstlerInnen

Regula Dettwiler
*1966 in Oberkulm (CH), lebt und arbeitet in Wien
reguladettwiler.com

Mirjana Djordjević
*1967 in Belgrad (RS), lebt und arbeitet in Wien
mirjanadjordjevic.info

Thomas Draschan
*1967 in Linz (AT), lebt und arbeitet in Wien
draschan.com

Aldo Giannotti
*1977 in Genova (IT), lebt und arbeitet in Wien
aldogiannotti.com

IEFS Kiesling & Stolberg:

Ursula Kiesling
*1968 in Graz (AT), lebt und arbeitet in Wien

Maki Stolberg
*1964 in Innsbruck (AT), lebt und arbeitet in Gutenberg (AT)

iefs.at

Paul Albert Leitner
*1957 in Jenbach (AT), lebt und arbeitet in Wien

Marko Lulić
*1972 in Wien, lebt und arbeitet in Wien
markolulic.net

mahony:

Clemens Leuschner
*1976 in Gottingen (DE), lebt und arbeitet in Wien und Berlin (DE)

Stephan Kobatsch
*1975 in Wien, lebt und arbeitet in Wien und Berlin (DE)

Jenny Wolka
*1978 in Köln (DE), lebt und arbeitet in Wien und Berlin (DE)

mahony.fm

Lukas Pusch
*1970 in Wien, lebt und arbeitet in Wien
lukaspusch.net

Johanna Reiner
*1976 in Graz (AT), lebt und arbeitet in Wien
johannareiner.at

Axel Stockburger
*1974 in Munchen (DE), lebt und arbeitet in Wien
stockburger.at

KuratorInnen

Robert Punkenhofer
Gerald Straub
Katarzyna Uszynska

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Karl-Wrba-Hof als Kunstgastgeber: Kunst zahlt Miete/​Miete zahlt KunstRegula Dettwiler, Mirjana Djordjević, Thomas Draschan, Aldo Giannotti, Paul Albert Leitner, Marko Lulić, Johanna Reiner, mahony, Axel Stockburger, Lukas Pusch

Zeitraum

14. – 21. Oktober 2011

Termine

Vermittlung

Gedrucktes

Kooperationspartner