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DYSTOPIA EUTOPIAVictoria Coeln

DYSTOPIA  EUTOPIA

Victoria Coeln schuf mit ihrer Lichtintervention am Helden- und Michaelertor einen brisanten neuen Erinnerungs- und Reflexionsort. Die beiden Burgtore spiegeln ein wichtiges Moment unserer Zeit wider: Sie können jederzeit selbstverständlich von Menschen durchschritten oder geschlossen werden.

DYSTOPIA EUTOPIA rief allen, die sie passierten, unvermittelt die Fragilität der Gegenwart ins Bewusstsein. Die beiden Hauptelemente des präzise geformten Lichts waren Raster und Stacheldraht. Die Ikonografie des Stacheldrahts ist vor allem negativ besetzt. Bedingt durch die aktuelle politische Situation drängten sich Assoziationen wie Zaun, Absperrung und Ausgrenzung auf. Zunächst als Hilfsmittel zur Umgrenzung von Weideland gedacht, wurde Stacheldraht zum Sinnbild für die Grenzen menschenverachtender Regime. Indianer nannten die verdrillten Drähte mit den scharfen Graten „devil’s rope“, Teufelsschnur.

Der Raster, ein in der Kunst immer wieder auftauchendes Motiv, oft auch autonomes Bildthema, steht für Gleichförmigkeit, Ordnung und Unpersönlichkeit. Er ist ein antihierarchisches System oder, wie Sigmar Polke es für sich definierte, „eine Methode, Struktur“, die „zerlegt, streut, ordnet“. Er bietet jedoch auch die Möglichkeit, durch eine Abweichung, durch Brüche in der Struktur eine Irritation oder Störung herbeizuführen.

Bei Victoria Coelns DYSTOPIA EUTOPIA war die Störung dieser Systematik gleichbedeutend mit dem Aufbrechen einer strengen Logik. Die Belebung oder Brechung des Rasters kann durchaus gesellschaftskritisch gelesen werden: Wie starr, wie offen ist unsere Gesellschaft? Wo stecken wir unsere eigenen Grenzen ab, wo erweitern wir unseren Raum? Wo werden Grenzen und Räume überschritten? Wer bestimmt die Fremdbestimmten?

Victoria Coeln wählte einen zentralen, höchst widersprüchlichen Ort österreichischer Geschichte für ihren Beitrag zum aktuellen politischen Diskurs. DYSTOPIA EUTOPIA war nicht nur ein beeindruckendes, ebenso anregendes wie monumentales Seherlebnis, sondern forderte die kognitiven Fähigkeiten der Betrachtenden und ließ das „Kaiserforum“ zum Diskussionsforum werden. Die Lichtintervention war ein Appell an alle Mitglieder unserer Gesellschaft und damit an die Verantwortung jedes Einzelnen.

Textauszug: Kerstin Jesse, volle Version des Textes: www.coeln.at/text#Jesse

Ort

Äußeres Burgtor (Heldentor), 1010 Wien

Weiterführende Info

Künstlerin
Victoria Coeln
*1962 in Wien, lebt und arbeitet in Wien.
coeln.at

Partner und Förderer
Bundeskanzleramt Österreich, Universität für angewandte Kunst Wien, Bildrecht Wien, MA 33 – Wien leuchtet

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DYSTOPIA EUTOPIAVictoria Coeln

Zeitraum

3. Mai – 13. Juni 2016

U2, U3 Volkstheater

täglich von Sonnenuntergang bis -aufgang

Termine